Sektionen:

 

I.    Über Weine, Weinbau und Weinangebote

II.   Rad und Radeln

 

 

 

 

I    Manches über Wein

 

 

Wein-Tour Rheinhessen 2017

 

Fazit einer Weinreise nach Rheinhessen im Mai 2017 (Dauer: 7. - 14.5.2017)

 

Nach relativ ausführlichen Recherchen über den Status des Weinanbaugebietes Rheinhessen einschließlich Winzerbewertungen, Konsumtrends und aktueller Verhältnisse in den Weinbergen starteten wir zu zweit eine Vorortprüfung der Jahrgänge 2015 und 2016 mit Hauptgewicht auf dem aktuellen Jahrgang.

Grundsätzlich fiel uns an aktuellen Entwicklungen der Region und an den Weinangeboten vor allem folgendes auf:

  • Die Erträge des Jg. 2016 waren aufgrund des feuchten Klimas in den Sommermonaten (mit Fäulnisgefahr) nicht sehr hoch, weil größere Traubenmengen schon vor der Lese verworfen (herausgeschnitten) werden mussten. Insbesondere Traubenfäule und der elende falsche (und echte) Mehltau machten vielen Winzern zu schaffen.
  • Die schließlich gekelterten und dann abgefüllten Weine zeigten dank des sonnigen Spätsommers und Herbstes doch noch gute analytische Werte und eine durchaus gute bis gehobene Durchschnittsqualität, wobei die Lagenweine zum größten Teil noch nicht endgültig bewertet werden können, da sie bis September und z.T. noch länger im Fass/Tank verbleiben
  • Im Vergleich zu 2015 fällt der Jg. 2016 nach dem Urteil einiger Winzer leicht ab, da die Aromen etwas weniger ausgeprägt sind als im Vorjahr; allerdings ist hier das Schlussurteil noch nicht gesprochen, da die Reifung der bereist abgefüllten Weine und erstb recht der Lagenweine noch abgewartet werden muss
  • Trotz hoher Durchschnittstemperaturen im Jahresmittel bleibt der Alkoholgehalt in akzeptablen Grenzen; die meisten Weine liegen bei etwa 12,5-13%, so dass besonders beim Riesling, beim Weißburgunder und beim Silvaner die Lebendigkeit und Frische im Wein erhalten bleibt (von manchen Fasslagerungen einmal abgesehen). Hinzu kommen beim 16er eine gut entwickelte Mineralität und eine dezent strahlige Säure, wobei die anfangs noch sehr hohen Säurewerte durch natürlichen Säureabbau im Verlauf des Spätsommers spürbar gemindert wurden
  • Die Preisentwicklung verkläuft parallel zur generellen Inflationsentwicklung, die einfacheren Orts- und Gutsweine sind aber durchaus noch erschwinglich (von 4,90 bis 9,90)
  • Interessant ist die sich allmählich abzeichnende Verschiebung in den Rebsortenanteilen in vielen Weingütern und damit in der Region insgesamt: Der verbreitete Trend geht hin zu einer Einschränkung des Rieslingangebotes sowie auch zu einer spürbaren Minderung des Rebsortenanteils beim Müller-Thurgau und bei den minderwertigen Neuzüchtungen der 70er Jahre. Dagegen wurde die Lesemenge des Sauvignon Blanc, des Silvaners, des Grauburgunders und vor allem der Rotweinsorten spürbar gesteigert. Der vermehrte Sauvignonanbau seit vielleicht drei bis vier Jahren ist auf eine erhöhte Nachfrage bei den Konsumenten zurückzuführen, also auf Modeerscheinungen - ähnlich wie beim Grauburgunder. Die stärkere Berücksichtigung des Silvaners hängt möglicherweise eher mit Einsichten und Vorlieben der Winzer zusammen, denn hier ist der Konsumtrend noch nicht sehr stark ausgeprägt (was mit einem veralteten Silvaner-Image zusamenhängen könnte)
  • Weitere Trends betreffen den (verstärkten?) Einsatz von Holzfässern, wobei sowohl große Holzfässer (Halbstücke und Stücke) wie auch Tonneaus und Barriques (mit Zweit- und Drittbelegung genutzt werden); ferner steigt die Anzahl der biologisch/ökologisch wirtschaftenden Winzer, was in der Art der Bodenbearbeitung, Begrünung und dem Verzicht auf Pestizideinsatz zum Ausdruck kommt. Schließlich fällt auf, dass bei einem sehr großen Anteil von Gütern auf Spontanvergärung gebaut wird - trotz der damit verbundenen Risiken. Hier zeigt sich ein spürbarer Gegensatz zu den mir bekannten Winzern in der Pfalz
  • Die neue Tendenz, Qualitätsstufen nicht mehr nach den Öchslegraden auszurichten und also die Einteilung in Qba-, Spätlese- und Ausleseweine durch die Dreiteilung in Guts-, Ort- und Lagenweine zu ersetzen, scheint sich mehr und mehr durchzusetzen, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass sich eine starke Winzerlobby in Rheinhessen (aber auch andernorts) für dieses neue Klassifikationsschema stark macht. Eine entscheidende Rolle spielte hierbei die Winzervereinigung "Message in a bottle", die mittlerweile seit Juni  '17abgelöst wurde durch die Trendsettergruppe "Maxime Herkunft", der bereits 70 Winzer angehören. Nach langjähriger Erfahrung mit missbräulichen Qualitäts-einstufungen nach dem alten Schema ist diese Umstellung sehr zu begrüßem, zumal auch der Verbraucher mit dieser Form der Klassifikation besser zurechtkommt
  • Prinzipiell kann man den Eindruck gewinnen, dass die etwas ehrgeizigeren Winzer immer experimentierfreudiger werden, eine Entwicklung, die sich gleichermaßen in der Diversifikation der Ausbaumethoden, in der Vervollkommnung der Kellertechnik und insbesondere in der Vielfalt des Rebsortenangebots und der roten wie weißen Cuvées niederschlägt
  • Im Hinblick auf die Vermarktung, Repräsentation und daher auch auf die Kundenakzeptanz (in der Gastronomie wie im Privatbereich) hinkt Rheinhessen im Vergleich zur Pfalz noch ersichtlich zurück; allerdings könnte es sein, dass zahlreiche Trendsetter auch in diesem Gebiet einen spürbaren Wandel einleiten
  • Unter Berücksichtigung aller für die Produktion und Vermarktung der Weine relevanten Faktoren kann man insofern mit guten Gründen davon ausgehen, dass Rheinhessen qualitativ an Bedeutung gewinnen und den Abstand zur Pfalz verringern wird. Dabei spielt jedoch auch die generelle Entwicklung der Technologie, der Winzerausbildung und des Konkurrenzdrucks in den deutschen Anbaugebieten eine entscheidende Rolle.

 

Zur Weingutauswahl und -charakteristik im einzelnen

 

Die folgenden Beschreibungen und Bewertungen haben natürlich nur Ausschnittscharakter. Da wir aber insgesamt 14 Weingüter im gesamten Anbaugebiet Rheinhessen besucht haben, lassen die hier zusammengefassten Beurteilungen auch vorsichtige Rückschlüsse auf aktuelle Weincharakteristika in der Gesamtregion zu.

Die Beschreibung der ausgewählten Weingüter wird in zeitlich gestaffelten Schritten erfolgen, denn verständlicher Weise lassen sich nicht alle Weine ruckzuck degustieren. Das bedeutet konkret, dass die jetzt vorgenommenen Bewertungen ergänzt, aber auch noch korrigiert werden können, da der Wein "lebt" und sich noch entwickelt. Um Einsicht in dieses Vorgehen wird gebeten.

 

Unsere Liste der besuchten Weingüter umfasste folgende Betriebe im nördlichen Teil Rheinhessens:

1.  WG Hoffmann & Willems in Appenheim (und) Konz-Oberemmel

2.  WG Knewitz in Appenheim

3.  WG Franz (schon wieder in Appenheim)

4.  WG Huff in Nierstein-Schwabsburg

5.  WG Domhoff in Guntersblum

6.  WG Landgraf in Saulheim

 

und im mittleren sowie südlichen Anbaugebiet:

7.  WG Wernersbach in Dittelsheim-Hessoch

8.  WG Dr. Müller-Becker in Flörsheim-Dalshein

9.  WG Hauck in Bermersheim

10. WG Ruppert-Deginther in Dittelsheim

11. WG Michel-Pfannbecker in Flonheim

12. WG Steitz in Steinbockenheim

13. WG Sander in Mettenheim

14. WG Gein in Bechtheim

 

Von allen Weingütern und Winzern, vielleicht mit der Ausnahme des WG Sander in Mettenheim kann man mit Fug und Recht sagen, dass die Empfangsbereitschaft, die Bereitwilligkeit zur Aufklärung über die jeweilige Hausstilistik und das Verkostungsangebot ausgeprägt, in Einzelfällen auch sehr beeindruckend waren. Damit widersprachen die Gastgeber auf wohltuende Weise den anfänglichen Eindrücken, die ich bei der Internetrecherche und in wenigen Fällen bei meinem Email-Verkehr gewinnen konnte.

Und nun zu den Details einzelner Weingüter:

 

 

1.  Weingut Hofmann und Willems

 

Bei diesem WG handelt es sich um einen Kombinationsbetrieb, der durch die Zusammenlegung zweier Güter aus Rheinhessen und dem Saar-Gebiet (nach Eheschließung der jeweiligen Winzer) zustandegekommen ist. Das ist eine etwas ungewohnte Organisationsform, hat sich aber in diesem Fall wegen der Synergien und der Zentralisierung der kaufmännischen Vorgänge offenbar gelohnt.

 

Weinangebot:

Vertreten sind alle gängigen Rebsorten: im Weißweinbereich Silvaner, Weiß- und Grauburgunder, Riesling, Chardonnay, Sauvignon blanc, Scheurebe und Müller-Thurgau, dazu noch Huxelrebe und Bacchus. Im Rotweinsegment werden Spätburgunder, Dornfelder und eine Cuveé angeboten.

 

Besonders positiv fiel der 2015er Saar Riesling auf, sehr mineralisch mit angenehmer Säuredosierung, ausgewogen, elegant,aromenintensiv - ein "einfacher" Spitzenwein!

Dagegen viel der 2016er RH-Riesling in der Gutsweinstufe etwas ab, war verhaltener und weniger fruchtig. Der 2016er Riesling vom Muschelkalk (Ortswein) war mir - bodenbedingt - zu salzig und wenig charmant.

Als einzigen Lagenwein-Riesling konnten wir den 15er Ölberg vom roten Schiefer trinken. Leider fehlte mir hier die Frucht, auch  Eleganz und Harmonie - schade....

 

Der Grauburgunder-Gutswein 2016 wirkte (noch) sehr frisch mit dezenter Sortenernote und leichtem Melonen-Anklang. Hier könnte sich eine längere Entwicklung auszahlen.

Der Appenheimer Ortssilvaner war zwar nachhaltig und körperreich, aber m.E. zu stark vom Holzfass geprägt, worunter die Primäraromen litten.

Der 16er Weißburgunder Gutswein bewies wenig Frucht und war apfelsäurelastig, wodurch er ziemlich herb ausfiel.

Ein 16er Sauvignon Ortswein geriet sehr sortentypisch mit frischer Säure und klarem Stachelbeerton - vielleicht ein wenig überdeutlich, was aber zum Sauvignon passt.

 

Kundenfreundlichkeit: Wir wurden vom Vater (außer Diensten) sehr freundlich bedient; er nahm sich auch die Zeit für eine Kellerbesichtigung und für Erläuterungen zur Kelter- und Gärtechnik. Das machte Freude.

 

Informationsbereitschaft: Voll zufriedenstellend, wenn auch nicht zu sehr in die Details gehend

 

Zustand/Ästhetik der Räumlichkeiten: Geschmackvoll gestalteter weitläufiger Degustationsraum ohne Übertreibungen in dezenten Farben mit funktionaler Theke und großem Sitzbereich für Gruppen. Der Keller war sehr gepflegt. Eine Besonderheit darin bildete ein völlig neuartiger Betontank in Eiform (siehe unten).

 

Preise: Gutsweine um 7,50 ,  Ortsweine 9,90 und Lagenweine für 18,00€

 

 

Die neue Vinothek vom WG Hofmann & Willems

 

Der Hauptkeller des Weingutes

 

Der Senior Hofmann bei der Kellerdemonstration

 

Beton-Gärtank im "Enola Gay"-Format

 

 

2. Weingut Knewitz

 

Weinangebot:  Leider war das Degu-Angebot bei Knewitz recht begrenzt, weil nur Gutsweine zur Verfügung standen. Grund: Ortsweine vom aktuellen Jahrgang werden erst im Juni abgefüllt, Lagenweine danach im September - sehr schade!

Von den Gutsweinen 2016 konnten wir nur einige probieren:

 

Grüner Silvaner: Dieser war sehr ausgewogen und angenehm schmelzig ohne Breite; , mit ausgeprägtem Körper und typischer Silvanercharakteristik - durch und durch empfehlenswert.

 

Der trockene Riesling fiel dagegen ab, war nicht ausgewogen im Geschmacksbild - bei dominantem Salz und damit verbundener leichter Bitterkeit.

Der trockene Weißburgunder vom '16 erschien etwas matt und unrund bei geringem Fruchtspiel. Demgegenüber war der schon im Vorfeld getestete WB von 2015 deutlich charmanter, wenn auch von einer gewissen Rauheit, die die Süffigkeit ausbremste.

 

Schließlich der Rosé trocken aus 95% Spätburgunder und lediglich 5% Sankt Laurent: Auch nach Zweitverkostung bleibt dieser Wein sehr blass, wenig von der  Burgundertypik gekennzeichnet, auffällig kurz und völlig fruchtlos, also uninteressant.

Insofern war der Gesamteindruck an diesem Tag beschädigt, doch könnten die Weine nach ausreichender Entwicklung noch zulegen. Ein abschließendes Urteil ist also wohl noch verfrüht. Da es den Wein auch in Berlin und im Wasgauer Weinshop gibt, wäre eine spätere Verkostung von Einzelflaschen zur besseren Beurteilung sinnvoll.

 

Kundenfreundlichkeit: 

Der 23jährige Teilhaber des WG zeigte sich persönlich aufgeschlossen, war jedoch auf Effizienz in der Abwicklung bedacht. Um Kunden zu binden, müsste er hier noch etwas nachlegen.

 

Informationsbereitschaft:  begrenzt, da er das Interesse nicht erkannte. Außer den erfragten Daten gab es keine überschüssigen Auskünfte. Auch in dieser Hinsicht könnte eine Kommunikationsschulung  helfen.

 

Räumlichkeiten: Den Keller bekamen wir nicht zu Gesicht; die Degustationsräume fallen recht altmodisch und gesetzt aus, was nicht zum Corporate Design des Betriebes passt, das deutlich moderner daherkommt.

 

Preise: Von 7,90 bis 9,90 für die einfacheren Säfte, bei den Ortsweinen um die 12€ und im Lagenbereich zwischen 19 und 24€.

 

 

 

3. Weingut Franz in Appenheim

 

Weinangebot:

Die Gesamtpalette an Weinen ist übersichtlich, aber durchaus vielfältig im Sortenangebot, wobei zahlreiche Weine außerhalb unseres Suchpfades lagen. Das kann passieren.

Der 1l-Riesling (Ortswein) von 2016 entpuppte sich als ansprechend, von strahlger Art und kräfiger (Apfel-)Säure, die evtl. schon als zu dominant empfunden werden kann; der Wein hält sich nur flüchtig, hat aber eine klare Rieslingcharakteristik. Kurz und gut: ein sehr unkomplizierter Sommerwein, den man ohne rot zu werden auch für Bowlen verwenden kann (13 P).

Der 16er Gutsriesling im 0,75-Format hatte bei gleicher Grundqualität noch mehr Körper und Abgang, dazu wies er eine strahlige Säure auf und im Verbund damit ein feines Fruchtspiel ohne Dominanz an besonderen Aromen. Vom Jg. 2015 probierten wir  den Appenheimer (Orts-)Riesling trocken, der jedoch auffällig sauer und streng ausfiel, zudem von Holznoten überlagert war und dadurch keinerlei Charme hatte. Ähnlich wirkte der 2015er Appenheimer Hundertgulden (Lagenwein), der mir fehlentwickelt erschien - mit störenden bökserhaften Nebentönen, als wäre ihm ein Unglück widerfahren.

 

Vom Weißburgunder verkosteten wir den 16er Gutswein, der ein recht einfaches Profil bei geringer Fruchtigkeit aufwies, jedoch eine ausgewogene Säurestruktur hatte und "rund" wirkte.

Der 15er Appenheimer Orts-Weißburgunder trocken fiel dagegen etwas ab, hatte zu viel Holz vom großen Fass und - nicht  zuletzt dadurch - eine geringe Fruchtkomponente.

Der 15er Orts-Chardonnay ließ ebenfalls das Holz nicht vergessen, doch war es in diesem Fall besser mit der Frucht verbunden.

 

Darüber hinaus gab es einen Sauvignon als Gutswein, der sich in seiner Sortentypik weniger aufdringlich präsentierte und angenehm rund im Phasenverlauf war - sehr positiv.

Vielleicht am besten in der Weißweinpalette kam der 2016er Silvaner weg: ein herb-kräutiger, saftiger Wein mit ausgeprägter Strahlkraft dank einer guten Säurebalance.

Abschließend konnte wir noch einen 15er Appenheimer Frühburgunder (Ortswein) probieren - gradlinig und schlicht von sanfter Konsistenz, allerdings wie so häufig von geringer Kraft/Korpulenz.

 

Kundenfreundlichkeit: Hoch entwickelt, Franz ist ein sehr ruhiger und bescheidener Typ, aber freigiebig und zuvorkommend.

Informationsbereitschaft:  Alle Fragen werden beantwortet; seine Eigeninitiative hält sich in Grenzen

Räumlichkeiten:  Klein gehaltener Degu-Raum, aber modern, zweckmäßig und geschmackvoll gestaltet

 

Preise:  Literweinhe ab 4 €;  Gutsweine zwischen 6,10 und 6,80 €;  Lagenweine: 12 €,  d.h. für die Region sehr preiswert

 

 

 

 

4.  Weingut  Huff

 

Das Schwabsburger Weingut hat offensichtlich in den letzten Jahren nicht nur in der Weinverarbeitung zugelegt, sondern auch in der Ausgestaltung des Kellers und des Degustationsraums. Die Empfangssituation ist jedenfalls aus baulicher Sicht sehr gewinnend, wenn auch in stilistischer Hinsicht sehr konventionell. Na ja ....

 

Weinangebot:

Die trockenen Weiß- und Rotweine werden in zwei Klassen angeboten, wobei die Zuordnungskriterien nicht immer ganz deutlich werden. Eine Nachfrage könnte hier Abhilfe schaffen.

Bei Huffs Rieslingen überzeugen er 16er "vom Roten Hang", der wegen seiner Schieferherkunft guter Mineralität hat, dazu zarte Zitrustöne und einen strahligen Charakter bei guter Rieslingcharakteristik. Ähnlich fällt auch die 16er Hipping-Spätlese aus, die einen noch stäkeren Nachhall mitbringt. Der 16er Lagenriesling Pettenthal ist noch sehr jung und unentwickelt, so dass eine Beurteilung derzeit schwerfällt; gleiches gilt für den 15er Niersteiner Hipping von Alten Reben, der noch extrem unruhig ist, jedoch positiv durch seinen starken Extraktwert auffällt. Der 15er Rehbacher Steig Sommerseite kommt aus dem Stückfass und hat danach noch 8 Wochen Tonneau erleben dürfen, was dem Wein wegen der dominanten Holznote nicht sehr gut bekommt, aber das ist wohl Ansichtssache.

 

Der einfache 16er Grüne Silvaner ist fruchtig, lebendig und hat eine schöne Sortentypik, der 15er zeigt hingegen wenig Frucht und ist etwas spitz geraten. Der Silvaner von der "Kirchplatte" war leider noch nicht abgefüllt - schade.

 

Vom Weißburgunder verkosteten wir den frischen 16er in QbA-Qualität, der schon jetzt sehr stimmig ist, fein-schmelzig, fruchtig und von einem enorm günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis (PLV). Der 15er Lagen-WB vom Bildstock stammt aus dem Barrique, was etwas überdeutlich wird und ein stark gedämpftes Fruchtspiel zur Folge hat. Zudem geriet dieser Wein etwas zu oxidativ - nicht mein Fall.

 

Der Grauburgunder QbA von 2016 ist entgegen der Auszeichnung im Prospekt unausgewogen und nicht stimmig, der 15er Lagen-GB dagegen gibt sich raffinierter, hat akzeptables Holz und hat einen schönen Nachhall - kann man kaufen.

 

Der 16er Chardonnay QbA erschien mir zu streng und spitz: Er hat deutlichen Zitruscharakter; insgesamt ist er uncharmant.

 

Der Sauvignon Blanc QbA des gleichen Jg.s ist sehr zurückhaltend; Stachelbeertöne überwiegen, das Paprikaaroma entfällt weitgehend - m.a.W. keine besondere Offenbarung.

 

Kundenfreundlichkeit:  Nach anfänglichem leichten Fremdeln bewies der junge Huff-Bruder eine unaufdringliche, aber große Herzlichkeit bei gleichzeitiger Großzügigkeit im Weinangebot wie in der Zeitplanung

Informationsbereitschaft: Sehr groß, auf alle Frage wurden ausführlich eingegangen, dazu weitere Erläuterungen in Eigeninitiative.

 

Räumlichkeiten: Modern, großzügig und ansprechend; weitläufige, sehr gepflegte Keller

 

Preise: Nach Franz preislich die günstigsten Angebote, sehr fair auch bei den Lagenweinen. Das macht ihn interessant bei Nachkäufen.

Großzügige Vinothek im Weingut Huff

Im Keller "altes" Holz ...

 ....  und moderne Stahltanks

 

 

 

5.  Weingut Domhoff (Guntersblum) - Alexander Baumann

 

Weinangebot:

Leider waren bei Domhoff alle Lagenweine ausgetrunken oder noch nicht abgefüllt, so dass hier noch Nachholbedarf besteht.

Der 16er Guts-Riesling war sehr gradlinig, aber eher unauffällig bei angenehmer Fruchtigkeit.

ebenfalls sehr ansprechend fielen die kredenzten 15er Ortsrieslinge auf, die von Baumann im Synchronvergleich angeboten wurden, was ebenso informativ wie spannend war. Alle drei Rieslinge waren äußerst delikat, sortentypisch und ausgewogen, wobei die Bodenherkunft jeweils deutlich zu spüren war. Der 16er Riesling vom Roten Hang brachte die besten Ergebnisse in der Mineralität und war überzeugend in Frucht, Länge und Aromenspiel; die 15er Abfüllungen vom Kalk und Lös waren nicht weniger perfekt, wiesen gleichfalls ein hervorragendes Bouquet mit intensiver Frucht auf und wirkten sehr elegant. Alle Rieslinge erhielten 17 Punkte, wobei das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

 

Der 2016er Silvaner war zwar nicht von der gleichen Klasse, geriet aber gleichfalls sehr typisch und rund: Der Wein war sehr kräftig, was auch auf die 13,5 Vol% zurückzuführen ist, aber dennoch nicht plump, sondern eher schlotzig.

 

Der 16er Orts-Grauburgunder hinterließ bei mir wenig notierte Eindrücke, außer dass er noch zu jung und noch unfertig erschien (Urteil insgesamt offen).

Der zuletzt offerierte Blanc den Noir (vomSpätburgunder?) war schon fast ein Rosé; er erwies sich als erstaunlich dicht und nachhaltig bei hoher Lebendigkeit. Könnte man bei Bedarf nochmals probieren.

 

Kundenfreundlichkeit:  Extrem hoch und geradezu perfekt: Der Winzer war äußerst freundlich und sympathisch; technisch gesehen war dies die beste Verkostung, weil Baumann jeden Wein in einem neuen Glas ausschenkte und dabei jedes zuvor mit dem Degu-Wein imprägnierte - einfach großartig!

Information:  Trotz des geringen Angebots an Probierweinen sehr vollständig und ohne "Zurückhaltung" - sowohl im Hinblick auf die regionale Beschaffenheit wie die Ausbautechnik. Den Keller bekamen wir leider nicht zu Gesicht.

Räumlichkeit: Die Vinothek war ziemlich klein, vielleicht sogar beengt, aber schön gestaltet; der Degustationstresen modern und zweckmäßig. An das Weingut ist jedoch ein kleines Hotel angebunden, sodass im Haus auch größere Veranstaltungen stattfinden können.

Preise:  Sehr günstig im Bereich der Gutsweine (um die 6€), die Ortsweine liegen zwischen 7 und 10€, die Klasse der Lagenweine fällt dann schon etwas teurer aus (13,50 bis 18,50), aber die Preise sind immer noch vertretbar.

Degustationstheke im Domhof ...

 

  ...  mit rührigem Sinnspruch (aber zutreffend ist er!)

 

 

 

 

6.  WG Wernersbach (Dittelsheim-Hessloch)

 

Weinangebot:

Bei Wernersbach kam nicht so sehr viel ins Glas, da wir auf Rote und Bouquet-Weine verzichteten, andererseits auch hier die Lagenweine noch nicht in der Flasche waren.

Im Gutsweinbereich gab es nur einen 16er trockenen Riesling, der schlicht-gradlinig strukturiert war, dabei straff und süffig, allerdings im Abgang sehr kurz. der 15er Riesling "vom Eisenerz" blieb mir wenig in Erinnerung, außer dass er wenig kraftvoll und nachhaltig war. Sehr gelungen dagegen war der 15er Ortsrieling "Auf den Aupern" vom Kalkfelsen, der bodenbedingt wenig füllig ist, aber ein dezent abgestimmtes Aromenspiel aufweist.

Der Hesslocher Ortswein vom Weißburgunder konnte wenige überzeugen, war zu mager und nüchtern, was sich seiner Herkunft vom Kalkboden verdankte.

Möglicherweise am besten schnitt der Grauburgunder Ortswein ab, der im Holz ausgebaut wurde, ohne davon zu stark geprägt zu werden. Bei diesem Tropfen kann man in der Bewertung noch zuwarten.

Und das war`s dann auch schon.

 

Kundenfreundlichkeit:  Der Winzersohn war schwer beschäftigt, so dass Vaddern, der alte Leiter des WG herhalten musste, was der jedoch leidenschaftlich annahm. Seine Widmungsbereitschaft in Dingen Wein"philosophie" war sehr ausgeprägt, nicht weit entfernt von freundlicher kommunikativer Bulldozerei.

Informationsbereitschaft: Sehr hoch, wobei eine gewisse Langatmigkeit und Selbstbezogenheit zur Geltung kam. Das dominante und nur eingeschränkt empfängerbezogene Auftreten wurde teilweise durch die äußerst liebenswürdige Ehefrau kompensiert, die uns während der Probe mit reichlichen Speckbrotzöpfen versorgte. Das hatte dann doch etwas ...

Räumlicheit: Ziemlich nüchterne Probierstube im Wohnzimmerstil innerhalb des familialen Wohnbereichs. Keine Kellerbesichtigung

Preise:  Gutsweine kosten alle 6,50 €, die Ortsweine bein 8,50 und die Lagenweine größtenteils bei 16 €, was ganz ok. ist.

 

 

 

 

7.  Weingut Landgraf (Saulheim)

 

Weinangebot:

Auch bei Landgraf war die Verkostung reduziert, im Wesentlichen bedingt durch taktische Kaufzurückhaltung, aber auch aufgrund des noch eingeschränkten Angebots.

Unter den Weißweinen stach im Weingut besonders der Grauburgunder hervor, dessen Qualität die anderen Rebsorten spürbar übertraf. Der 16er Gutswein-GB war sehr markant, absolut sortentypisch, dazu kräftig ohne Aufdringleichkeit, sehr ausgewogen.

Der Ortswein-GB kommt aus dem Stückfass und weist dementsprechend das Holz aus, dies jedoch gut eingebunden zund abgestimmt. Der Wein stand lange auf der Hefe (mit Batonnage), was seine Konzentriertheit beförderte. Eine der besten GB im Gebiet bisher.

 

Beim Riesling war der 16er Gutswein insgesamt ansprechend, mit lebendiger Säure, die der kühlen Lagenexposition entspricht - wie auch alle sonstigen Weine bei L. das Mikroklima des Ortes gut reflektieren. Weitere Kennzeichen bei Nachprüfung.

Der Saulheimer Orts-Riesling von 2016 hatte zwar einen guten Mineralgehalt, war aber im Gesamteindruck eher blässlich und ziemlich mager. Unter den Lagenrieslingen probierten wir den 15er Schlossberg, der sich ausgesprochen dicht und geschmacklich kompakt, fast cremig präsentierte, was zu einer deutlichen Einbuße an Lebendigkeit und Fruchtspiel führte - daher weniger überzeugend.

 

Bleibt noch ein Weißburgunder Gutswein von 2016, den Landgraf als "charmant" bezeichnet, eine Charakterisierung, der ich mich nicht anschließen kann; er wirkte eher nüchtern und schmal auf mich, zeigte auch einen deutlichen Mangel an Fruchtaroma.

Der zuletzt zu erwähnende 16er Gutswein-Silvaner war zwar kräutrig, aber von dominierender Strenge und ohne Eleganz.

 

Kundenfreundlichkeit:  Der Winzer war zur Zeit unserer Anwesenheit nicht vor Ort, wurde aber durch einen sehr jungen und gleichzeitig zuvorkommenden Mitarbeiter ersetzt, der versiert unsere Fragen beantwortete.

Information:  Gemessen am kurzen Besuchszeitraum waren die Wein-Infos vollständig und konzentriertv dargeboten; Überschüssiges fehlte allerdings.

Räumlichkeiten: Das Gut hat eine sehr weitläufige und architektonisch sehr interessante "Vinothek", die den Eindruck erweckt, als wäre sie in einer ehemaligen Kirche errichtet worden (was nicht der Fall ist). Alles ist sehr großzügig ausgelegt und modern-zeitgemäß gestaltet: angenehm!

Preise:  Das PLV ist vertretbar: Gutsweine gibt es für etqwas mehr als 7 €, die Ortsweine schlagen dann aber mit 11€ oder auch mehr zu Buche. Weiße Lagenweine liegen mehrheitlich bei 18 €, die Roten bei etwa 20 € und mehr.

 

 

Der Innehof des WG Landgraf ...

 

  ...  und der Keller mit den Inox-Tanks

 

Degustation im Innenhof des WG Dr. Müller-Becker

 

Weinkeller für Tonneaus und Barriques

Die stimmungsvolle "Schatzkammer"

mit regionelen und internationalen Raritäten

 

 

10.   Weingut - Ruppert-Deginther (Dittelsheim-Hessloch)

 

 

Der Besuch bei Ruppert war duch den Wechsel der Kontaktpersonen ein wenig unruhig. Die Notizen der Erstdegustation sind daher unvollständig und nicht aussagekräftig. Sie müssen durch Zweitproben ergänzt werden.

 

Weinangebot: R.-D.  bedient weitgehend die ganze Weißweinpalette in allen Qualitätsstufen.

Die Rieslinge im Guts- und Ortstweinbereich waren verlässlich und angenehm süffig; ich vergab für den Ortswein von 2015 13,5 P., für den Hesslocher Gutsriesling von 2016 sogar 14,5 - 15 P.

Der Grauburgunder war weniger überzeugend und erreichte vorläufig nur 13,5 P.

Der Chardonnay CALX von 2015, als Premium-Lagenwein eingestuft, konnte mich wegen seines starken Holztons nicht beeindrucken.

 

Kundenfreundlichkeit:  Wir wurden gleich mit fast der ganzen Familie bekannt gemacht. Sehr freundlich startete die Juniorwinzerin die Probe und servierte dazu selbstgemachtes Käsegebäck - sehr lecker. Der Junior war sehr nüchtern, ernsthaft und nicht übermäßig auskunftsfreudig, was aber durch die Vormachtdstellung des Vaters und immer noch einflussreichen Seniors erklärt werden kann.

 

Information: Der "alte" Ruppert wusste viel über seine Weine zu berichten, schweifte aber auch gern ins Allgemeine ab und vergaß dabei schon mal das Nachschenken. So war der Unterhaltungswert der Veranstaltung recht groß, wenn auch unser Überblick über seine Produktpalette begrenzt blieb.

 

Räumlichkeit:  Es gab  eine Probierstube, die auch für kleine Gruppen genutzt werden kann. Der Stil war nicht gerade derjenige neuzeitlich, eher ziemlich altbacken, aber das hat ja auch einen Vorteil (keine Umlage der Umbaukosteh auf den Wein).

Einen Einblick in den Keller konnten wir nicht gewinnen.

 

Preise:  Recht günstig durchweg: Die Gutsweine kosten zwischen 6,50 und 7,70

 

 

 

 

11.  Weingut Michel-Pfannbecker (Flonheim)

 

Das Weingut in Flonheim scheint in mancher Hinsicht nicht mit der Zeit zu gehen und wenig Wert auf die Selbstrepräsentation zu legen, auch wenn es in den Wertungen der Rheinhessenwinzer einen vergleichsweise sehr guten Platz einnimmt.

Zum Stil des Hauses passt dann auch der schlichte Hausprospekt, auf dem lediglich die Weine verzeichnet sind, kein Wort jedoch zu den Lagen oder der An- und Ausbau"philosophie".

 

Weinangebot: Michel-P. bietet eine sehr umfangreiche Weinkarte an. Allerdings überwiegen eindeutig die traditionellen Rebsorten mit Schwerpunkt auf Riesling, den Burgundersorten und Silvaner. Weitere Weintypen bilden die Ausnahme.

Auffällig ist auch, dass sich M.-P. nicht der neuen Klassifikation angeschlossen hat; er teilt seine Weine nach wie vor nach den Öchslegraden ein, d.h. nach Qualitätsstufen wie Qba, Spätlese usw.

Wir starten unsere Probe mit Silvanern von 2015 und 16. Der 2015er Qba ist unkompliziert, aber ausgewogen und süffig (14,5 P.), die 2015er Silvaner Selection vom Flomborner Feuerberg (=Lagenwein) ist dichter und schon sehr alkohollastig, jedoch immer noch ausgewogen (15 P.), die Orts-Spätlese des gleichen Jahrgangs und vom gleichen Weinberg wirkt etwas feiner (15 P.), die 16er Spätlese - ebenfalls vom Flomborner Feuerberg - schon erstaunlich rund vollmundig (>15 P).

 

Von den Weißburgundern waren einige bereits ausgetrunken, so dass uns nur der WB Kabinett vom Feuerberg mit satten 12,5% A angeboten werden konnte (15P.) sowie die schon sehr ruhige und stimmige Spätlese vom Feuerberg, die es aufgrund ihrer Dichte und Ausgewogenheit auf ca. 16 P. brachte.

Der 15er Grauburgunder als Spätlese vom Feuerberg kam in zwei Versionen vor, einmal trocken mit Melonentönen, schöner Sortentypik und saftigem Charakter, zum anderen feinherb ausgebaut und daher trotz feiner Struktur schon recht schwer (15,5P.). Als dritten GB offerierte Pfannbecker außer der Reihe eine Feuerberg Spätlese, zu der ich keine Notizen habe, die jedoch 16 P. erzielte.

Die einzige Chardonnay-Spätlese von 2015 mit 13,5% war einigermaßen mächtig, jedoch nicht plump und von gutem Fruchtgehalt; sie erzielte 15,5 P.

 

Schließlich folgten die Rieslinge, wobei wir mit der 15er Spätlese vom Eppelsheimer Felsen begannen, der vom Kalkmergel stammte und daher eine gut ausgeprägte Apfel- und Zitrussäure hatte (14,5 P). Die 15er Spätlese von der Steingrube hielt meiner Meinung nach nicht das Lagenversprechen und erwies sich eher als charmefrei und etwas mager (ohne Note). Sehr schön und nachhaltig erwiesen sich die letzten vier Sortenvertreter, darunter die 15er Spätlese vom Moorstein mit ausgeprägter Mineralik und feinem Spiel (16,5 P.); dann die Spätlese vom Feuerberg, die einen eleganten Verlauf hatte, schöne Aprikosenanklänge zeigte und gleichfalls spürbare Mineralik (+16,5 P.); es folgte ein 15er Selections-Riesling trocken aus der Steingrube, der trotz des hohen Alkoholgehasltes (14%) elegante Fruchtnoten mitbrachte, einen langen Abgang hatte und große Vielschichtigkeit bewies (16,5 P.). Den Abschluss der Riesling-Kette bildete die 15er Selection vom Flomborner Feuerberg mit komplexer Tiefe und feiner Reife. (16,5 P.)

Es ist anzunehmen, dass gerade, aber nicht nur die Rielinge noch lange auf der Flasche liegen können.

 

Kundenfreundlichkeit: M.-P. erwies sich als sehr gastfreundlich und herzlich. Er bot alles an, was unsere Zunge begehrte und nahm sich angemessen viel Zeit. Überzeugend war vor allem sein ganz und gar persönliches und natürliches Auftreten ohne irgendeine gekünstelte Geste.

Informationsgehalt: M.-P. gab bereitwillig Auskunft über die Arbeit im Berg und im Keller, dazu äußerste er sich ohne falsche Rücksicht über die Vermarktungsmethoden seiner Konkurrenten und distanzierte sich wohltuend von der aufkommenden Preistreiberei und VDP-Arroganz.

Räumlichkeit:  Alles sehr schlicht und auch kleinbürgerlich, was jedoch keineswegs beklemmend, sondern eher authentisch wirkte.

 

Preise: Ausgesprochen gemäßigt bei der gebotenen Qualität: die einfachen Weine verkauft derc Winzer für 6,50 €, die Mittelklasse - auch im Spätlesesegment - für 7,20 oder wenig mehr und die Selectionsklasse für maximal 10,50 €. Das lässt sich sehen.

 

 

 

8.  Weingut Hauck

 

Dieses Weingut liefen wir eher zufällig an. Am Vorabend hatte ich im Restaurant Crass (dürftige Küche!) einen Silvaner bestellt, der mir sehr gut schmeckte, weshalb wir am 10.5. schnell noch bei Hauck vorbeischauten. Mit "schnell" war es zwar nicht getan, aber es ging trotzdem noch.

 

Weinangebot:

Mit Rücksicht auf die Besuchsumstände begnügten wir uns auf die Verkostung von ledigleich drei Weinen, wobei zu vermuten ist, dass eine ergänzende Probe noch mehr gute Abfüllungen zu Tage fördern könnte.

 

Der 1l-Silvaner trocken war derjenige, den ich tags zuvor in der Wirtschaft getrunken hatte. Er war immer noch schlicht-lecker, erweckte aber nicht mehr den identischen Eindruck, den ich am Vorabend von demWein hatte, aber die Degustationsorte und -Stimmungen prägen eben immer den Trinkeindruck mit. Dennoch war der Silvaner sehr süffig, etwas seidig, keineswegs zu kräutrig, dafür aber fein-fruchtig mit leichtem Apfelaroma. Der 16er Silvaner "Hildegard" (muss wohl die Ehefrau sein bei der Altertümlichkeit des Namens) kam aus der normalen Flasche, fiel aber trotz der älteren Reben, von denen er stammte, nicht reicher aus.

 

Der Liter-Weißburgunder von 2016 ist absolut schlotzig, also wunderbar saftig-süffig, dabei mit gefällig-lieblichem Anklang. Der Abgang gerät etwas kurz, auch das Aromenspiel ist verhalten und die Rafinesse bleibt beschränkt, aber im Gesamterindruck ist er doch überzeugend, vor allem bei einem vorzüglichen PLV (4.80€ der Liter) - 14 P (wohlwollend).

Als Besonderheit versuchten wir abschließend das "KUNSTSTÜCK" - eine Cuvée aus Weißburgunder und Auxerrois. Das war eine gelungene Assemblage, aber für eine endgültigen

 

 

 

 

9. Weingut Dr. Müller-Beck

 

Trotz einer gewissen zeitlichen Enge schafften wir es, mit nur 5 Min. Verspätung im Weingut Müller-Beck in Flörsheim-Dalsheim aufzuschlagen, wo auch der ehrenwerte Franz Keller zu Hause ist, dem wir aber aufgrund seiner Preisgestaltung in diesem Jahr keinen Besuch abstatten. Der Tausch, so wird sich erweisen, soll sich gelohnt haben.

 

Weinangebot:

Die Verkostung stach unter anderem auch deshalb etwas heraus, weil wir nicht vorrangig unseren Hauptpräferenzen bei den Rebsorten folgten, sondern dieses Mal - mit dem freundlichen Motivationsschub des Winzers - eine breitere Palette verkosteten.

Wir starteten, wenn die Aufzeichnungen nicht täuschen, mit einem 16er Gutswein-Riesling Classic, der mir etwas profilarm erschien, keineswegs dürftig oder minderwertig, aber ohne "Persönlichkeit", Ecken und Kanten. Als Begleiter zu leichten Gerichten schien er geeignet, aber von geschmacksintensiven Speisen würde er flugs verdrängt. Den 2015er Dalsheimer Riesling vom BÜRGEL habe ich nicht hinreichend dokumentiert, glaube mich aber daran zu erinnern, dass er mir eher wenig verführerisch erschien.

Recht ungewöhnlich offenbarte sich der 2016er Riesling vom Brummelsboden aus der renommierten Lage Dalsheimer Sauloch, gekennzeichnet durch seinen schweren Lehmboden. Dieser Wein fällt nicht sehr spritzig aus (wie auch!), eher sehr kompakt, dabei deutlich mineralisch, aber alles in allem noch nicht ausgereift. Da kann die Flasche noch ein gutes Jahr liegen. Dementsprechend muss auch eine Schlussbewertung noch warten. Der Jg. 2015 wurde von Gault-Millau sehr wohlwollend rezensiert und mit 87 P. ausgezeichnet. Die Beurteilung lautet:

"Schmelzig-würzige Mineralik in der Nase, Speck, Talk, Kernobst. Im Mund dann süffig-klare Art, rotfruchtiger Schmelz, pikantes, aber sehr gut eingebundenes Säurespiel, dahinter kompakte Mineralik, etwas Maracuja, Vanille, schönes Spiel, macht Namen und Story zum Wein alle Ehre."

Der einzige Grüne Silvaner von 2016, ein Gutswein, zeigte sich dezent und leicht - ohne zu viel Alk; er dürfte sehr umfassend einsetzbar sein, zumindest zu Fisch, Gemüse und Geflügel, aber auch als Solowein gut durchgehen.

Der Dalsheimer Orts-Weißburgunder 2016 aus dem STEIG wirkt weich und elegant bei guten Fruchtnoten. Kann noch zulegen.

Der 16er Lagen-Burgunder (weiß) vom Dalsheimer Steig von Alten Reben ist zu 30% im Holz und zu 70% im Stahl gereift. Er fällt dicht aus, sehr schmelzig und muss nochmals nachverkostet werden.

Der 16er Dalsheimer Grauburgunder trocken (Ortswein) vom Sauloch hat neben verschiedenen Fruchttönen ein leichtes ambrosisches Honig-Aroma und ist durchaus facettenreich; delikate GB-Typik in der Nase wie im Gaumen, leichter Lachston von der Maische; durch sein feines Mousseux ist der Wein noch etwas unruhig, zeigt jedoch ein sehr gutes Verhältnis von Frucht und Säure: verdient gute Benotung! (>16 P).

Vom Chardonnay gab es den 2015er Dalsheimer Bürgel als Lagenwein, ausgebaut im Barrique, was ihm eine Spur von Vanille mit Holzton verleiht; dazu bewies er weichen Schmelz und gute Länge.

Als letzten Weißen probierten wir eine 15er Muskat-Cuvée aus Ottonel und Gelbem Muscat. Der Wein ist keineswegs plump aufdringlich, aber doch immer noch von vordergründigem Bouquet mit Noten von Gras und Heu, dazu eine Spur von Hollunder - also recht typisch für diese Sorte. Bei ein bis zwei Gläsern noch recht pikant und würzig, danach dann etwas unelegant und eher vordergründig bis ordinär. Da fehlt dann doch die Finesse.

 

Dann aber zwickte den Jochen Becker ein wenig der Ehrgeiz und er verführte uns zu einigen Proben Rotwein "außer unserer Reihe". Wir starteten den 2. Akt mit dem 2014er Dalsheimer Spätburgunder vom STEIG, der wie so häufig sehr schlank ausfiel, also wenig stoffig und körperreich war, sich dafür aber durch große Geschmeidigkeit, seidige Konsistenz und einen klares Burgunder-Primäraroma auszeichnete. Für Freunde des deutschen Spätburgunder sicherlich von Interesse, für mich à la longue zu "weiblich" und gefällig.

Gut gelungen war der nachfolgende 14er Schwarzriesling trocken vom BÜRGEL, der eine sehr ansprechende Stilistik aufwies: deutliche Schwarzrieling-Typik, dezenter Ton von schwarzen und roten Johannesbeeren sowie von Kirschen mit zugleich leicht rauchigem Schmelz. Ganz anders dann der Blanc de Noir vom Schwarzriesling, die zweite Variante dieses hellen Roten auf unserer Tour. Er fällt (verständlicher Weise) weniger oder auch gar nicht schmelzig aus, zeigt schöne Klarheit in Geschmack und Farbe und hat eine spürbare Traubenfruchtnote. Ist vielseitig einsetzbar, aber auch im Liegestuhl ohne Zubehör zu genießen.

Wir beschlossen die Sitzung mit einer ungewöhnlichen Cuvée aus Spätburgunder, Dunkelfelder und St. Laurent. Das alte Barrique kommt gut austariert zur Geltung, bleibt daher im Hintergrund. Der Wein ist von tiefroter strahliger Farbe (Dunkelfelder), hat Körfper und Tiefe bei sehr dezenten Tanninen und ein intensives Aroma von Morellen und Brombeern. Allerdings erschien mir die Cuvée (für meinen Geschmack) zu mild und etwas zu lieblich; ein Quentchen Tannin mehr hätte da nicht geschadet.

 

Kundenfreundlichkeit:  Exquisit! Einen herzlicheren Empfang kann man sich kaum vorstellen. Die Probe war im Innenfof gut vorbereitet (für die wunderbare Sonne war der Gastgeber allerdings nicht zuständig), es gab unbegrenzten Zugang zu den vorhandenen Weinen, dazu Wasser und Brot (was dann auch seinen Zweck erfüllte) und zu gegebener Zeit frische Gläser.

Information:  Über die schon im Prospekt enthaltenen Angaben zum Wein (analytische Werte) gab Becker alle erwünschten Auskünfte zum Rebgut und zur Vinifikation; dazu kam ein aufschlussreiches Gespräch über regionale wie überregionale Weintypik, über moderne Trends der Weinproduktion sowie über Feinheiten der sensorischen Prüfung. Alle Informationen wurden unaufdringlich ohne Experten-Besserwisserei gegeben - bei gleichzeitiger Aufgeschlossenheit für das Urteil der Gäste und Toleranz gegenüber abweichenden Urteilen. So könnte es - so sollte es (fast) immer sein!

 

Räumlichkeit: Der Hof war sehr angenehm zu diesem Zeitpunkt, die Innenräume konnten wir nicht beurteilen. Wohl aber die Kellergewölbe, die beeindruckend alt und stilvoll sind, wobein insbesondere die Schatzkammer sehr stimmungsvoll (dunkel) und mit erstaunlichen Raritäten bestückt war.

Preise:  Angesichts der Qualität ein sehr gutes PLV: Gutsweine um die 5,50 €, Ortsweine zwischen 6,0 und 8,30€, die L

agenweine schließlich von 10 - 18€, also sehr verträglich.

 

Für Besuchsinteressenten: Am 1.7.17 veranstaltet der Winzer ein Hoffest mit Schmaus und vielen Weinen.

 

 

Das Schönste an diesem Text ist, was Sie daraus machen!

 

 

Das Schönste an diesem Text ist, was Sie daraus machen!

 

 

12.  Weingut Steitz (Weinbockenheim)

 

 

Dieses Weingut wusste uns durchaus zu überraschen, erwies es sich doch trotz seiner ziemlich weit abgelegenen Lage im Anbaugebiet sehr gepflegt und stilistisch hochmodern, ein Eindruck, der besonders durch die dynamische Winzersgattin Frau Steitz verstärkt wurde, die sehr selbstbewusst und bei aller Grundfreundlichkeit doch recht stolz auftrat (immerhin mit dem sofortigen Hinweis auf ihre frühere Tätigkeit als Bankkauffrau bei der Frankfurter Commerzbank-Filiale). Nun aber zum Wein ...

 

Weinangebot:

Zunächst probierten wir den 2015er Orts-Silvaner "Goldenes Horn", der uns einen kräftigen Eingang bereitete - ein sehr dichter, fast wuchtiger Wein mit hoher Mineralität und Komplexität, mit typischen Kräutertönen und spürbarem Holz, was eher etwas ungewöhnlich ist, hier aber akzeptabel wirkt (16P.).

Unter den Gutsweinen kam zuerst ein 16er Weißburgunder zum Ausschank, der bei der ersten Verkostung fein und sortentypisch erschien, dann bei der Zweitprobe 10 Tage später plötzlich spitz, leicht bitter und störend unausgewogen wirkte - insgesamt ernüchternd unattraktiv. Nach einem Tag Ruhezeit mit etwas Sauerstoff legte sich dieser Eindruck teilweise wieder, doch ist noch nicht abschließend zu sagen, wie sich der Wein nach längerer Reifezeit entwickelt.

Der Grauburgunder Gutswein war kraftvoll-würzig, aber nicht raffiniert (15,5 P.). Hier amüsierte uns die unverholen geäußerte Abneigung der Winzerin gegen diese Rebsorte, was jedoch nicht aufgegriffen werden muss.
Die dann angebotene Cuvée aus WB und Chardonnay war gut abgestimmt, fruchtig und angenehm kühl im "Ton", wenn auch nicht herausragend (15 P.)

Wir setzten den Reigen mit drei Rieslingen fort: Zunächst mit einem 16er Gutswein, der bei ausgewogener Säure angenehm knackig und mineralisch ausfiel (15,5 P.), dann mit dem Orstriesling "Neu-Bamberg", der zwar ordentlich mineralisch war, aber leider vom Holz zugedeckt wurde (>14 P.). Wir schlossen mit dem 15er Lagenriesling vom Heerkretz, mit dem ich meine Mühe hatte, da der Wein sehr nüchtern und unfruchtig daherkam, zudem herbkräutrige Noten, aber vor allem störendes Holz hatte. Auch wenn eine Benotung im Moment noch verfrüht sein könnte, hat dieser Riesling wohl nicht das Zeug zum Favoriten.

Den Schluss machte dann ein 2016er Blanc de Noir vom Spätburgunder, der seiner Jugend zum Trotz schon reif schien und einen kraftvollen Antritt hatte.

 

Kundenfreundlichkeit

Gegen den Empfang gab es nichts einzuwenden, wobei wir uns nicht sicher sein konnten, wieviel Freude oder Unlust Frau Steitz dabei empfand, denn es schien anfangs, als vermutete sie bei uns keine großen Gewinnmöglichkeiten (was ja nicht falsch war).

Im Verlauf des Gesprächs wurde die Hausdame dann aufgeschlossener und zugewandter.

Informationsgehalt: Es blieb keine Frage meinerseits unbeantwortet, allerdings fühlte ich mich hintergründig eher leicht in meinem Auskunftsbegehren gebremst. Nicht zu überhören war der leitende Grundton der WG-Repräsentation; man hatte leicht das Gefühl, als Kunde am Messestand zu stehen. Dennoch war die Gesprächsatmosphere nicht unstimmig - professionell eben. Als ein Extra ihn dieser Rubrik kann gelten, dass uns Fr. Steitz im Verlauf der Probe ein neues Weinglas vorführte (Typ "Gabriele"?), das wirklich hervorragend geeignet war, die Weinaromen zu betonen. Das Glas kann im Interne5thandel aus der Schwyz besorgt werden.

Räumlichkeiten: Die neue Vinothek ist noch in der Ausbauphase. Sie wird nicht besonders groß ausgestaltet werden, dafür jedoch mit auffälligem Design und gutem Geschmack (toller Eschentisch!). Mit der Architektur korrespondiert auch das sonstige Corporate Design - ein sehr geschmackvolles Etikett und ein musterhaft ausgeklügelter Weinkatalog. Das ist preisverdächtig.

Preise:  Ortsweine zwischen 8,20 und 11,00 € bzw. in der Einfachversion auch darunter;  Gutsweine von 7,20 bis 8,50€; Lagenweine 15,00 bis 18,50€, also schon recht teuer.

 

 

Katalogstudium im WEG Steitz

 

 Dier Tagesbeute wird gesichert

 

 

13.  Weingut Sander (Mettenheim)

 

 

Zu Sander hatte ich keine vorgeprägte Meinung und keine vorbelastende das Weingut betreffende Schilderung. Um es vorwegzunehmen: Das war ein eher im Galopp absolvierter Besuch; da hatte man nicht das Gefühl schon lang anhaltender Vorfreude seitens der Gastgeber, aber eins nach dem andern.

 

Weinangebot:

Mit acht Sortenproben war es bereits getan: Zum Start gab es Rieslinge, zunächst den 16er Gutsriesling trocken, der einfach, aber schön spritzig-strahlig aus dem Glas kam und gänzlich trinkfertig war (15 P oder auch mehr); diesem folge der 2015er Mettenheimer Riesling von den Lösterassen, der eine klare Mineralität hatte, aber leider zu spitz wirkte und daher nicht ganz ausgewogen war (14 P), danach der Michelsberg Riesling trocken als Lagenwein aus dem alten Holzfass, das dem Wein  eine spürbare Holznote verlieh, doch war andererseits der Extraktwert und auch der Abgang bemerkenswert (ohne Benotung). Der letzte Riesling, ein 15er Schlossberg trocken kommt vom Kalkboden, der ihm reiche Mineralität verleiht; allerdings hat er viel Säure (dominant) und ist im Abgang etwas scharf (nicht mit Punkten bewertet). Im Nachtrag erwähnte Fr. Sander noch einen alten Riesling des Jahres 2011 namens Matura. Ich konnte ihn noch nachträglich verkosten und fand ihn bei allem Rancio, einer gewissen Müdigkeit und bei hohem Extraktgehalt sehr außergewöhnlich im Sinne von morbid und etwas geheimnisvoll mit Andeutungen von Kellertönen, altemBrot und feuchter Erde - mal was anderes, aber nichts für den Alltag.

Von den Burgundern verkosteten wir den 2016er Weißburgunder von der Lage Michelsberg, der füllig-weich ausfiel, aber in der Frucht (noch) unausgeprägt und von geringer Säure (<15 P) auftrat; der folgende 16er Chardonnay hatte zwar eine angedeutete schwache Nussaromatik, doch fehlte auch ihm etwas Säure (?), dazu schmeckte man ausbaubedingt einen leichten Holzton durch (<14 P).

Den Abschluss der Probe machte eine weiße Cuvée aus Weißburgunder, Müller-Thurgau (!) und Silvaner, was schon seltener angeboten wird (aber ohne Bewertung blieb), sodann ein 2015er Silvaner von 70 Jahre alten Reben, dessen Methusalem-Alter sich jedoch in einer gewissen Mattigkeit verriet; andererseits war er wiederum sehr dicht/extraktreich, doch fehlte mir insgesamt die Sortentypik.

 

Kundenfreundlichkeit: Solche war nicht direkt spürbar, sie wurde eher durch mechanische Routine ersetzt. Insgesamt gewann man den Eindruck, nicht wirklich willkommen zu sein und nur bedient zu werden, weil das eben zum Geschäft gehört. Die Auskünfte zu den Weinen kamen nicht von selbst, sondern mussten schrittweise rausgekitzelt werden. So sollte es nicht sein.

Informationsgehalt: Wie angedeutet erfuhren wir nur die Basisdaten und ein wenig über die Lagen, aber nicht darüber Hinausgehendes.

 

Räumlichkeiten:  den Keller bekamen wir nicht zu Gesicht; der mittelgroße Degustationsraum war freundlich und zweckmäßig, aber nicht auffällig gestaltet (von den bemalten Wurzeln auf dem Tisch mal abgesehen). Am besten gefiel uns außerhalb jeglicher Wertung der Garten mit der riesigen Giraffe aus Pappmachée - schön für die Kinder!

 

Preise:  eher im gehiobenen Bereich; die einfachen Weine kosteten zwischen 7,50 und 9,90 €, die Lagenweine schlugen mit 14,90 bis 21,50 € zu Buche; für die Rarität "Matura" zahlt man 14,50 €.

 

 

 

 

 

14.  Weingut Johann Geil  (Bechtheim)

 

Und dann kam auch schon das unumgänglich letzte Weingut in Bechtheim, das mehrere gute Winzer beherbergt, darunter auch Spiess und Dreißigacker. An unserem Besuchstag war es schwierig, den Ort überhaupt zu erreichen, denn im Zuge größerer Verschönerungsmaßnahmen waren die meisten Zufahrten blockiert.

 

Weinangebot

Die sehr übersichtlich und logisch gestaltete Weinliste konzentriert sich im Weißweinbereich auf die regionalen Hauptsorten und einige Ausreißer.

Wir begannen mit den Silvanern, zunächst mit dem 16er Grünen Guts-Silvaner, der sehr päsent, sortentypisch, dezent vegetabil und spürbar fruchtig über die Zunge glitt (16 P). Der Grüne Orts-Silvaner "Bechtheimer S" fiel noch beeindruckender aus: sehr dicht und tief mit intensiven Frucht- und Kräutertönen (glatte 17 P und damit einer der besten auf unserer Tour).

Der 2016er Weißburgunder Gutswein war äußerst fein, aber schon deutlich cremig, insgesamt sehr süffig (16 P); der Weißburgunder Ortswein der S-Klasse war etwas stärker im Alkohol, (nicht nur) dadurch auch leicht feinherb und zudem würzig. Der Wein kann gut noch einige Monate lagern (16 P).  Der einzige Chardonnay (aus der S-Klasse) von 2016 zeigte exotische Töne, die jedoch vom Barrique-Holz übertönt wurden - vielleicht nicht der Feinsten einer?

Der Guts-Riesling von 2016 war mir etwas zu leichtf(l)üssig, hatte aber eine sehr präsente Frucht; insgesamt wirkte er etwas instabil und dadurch unausgewogen (14 P). Der Bechtheimer S-Riesling von 2015 war frisch-lebendig, hatte Pfirsichnoten und eine filigrane Struktur, geht aber von der Menge her dem Ende zu (16 P). Den feinherben Bechtheimer Riesling von 2016 konnten wir noch nicht verkosten; er kommt erst im Sommer in die Buddel (sollte man vielleicht bestellen).

Als "Dessert" gab es schließlich einen trockenen Blanc de Noir vom Spätburgunder Gutswein, der in seiner 16er Fassung schon sehr süffig schmeckte und ein dezent-angenehmes Fruchtspiel zeigte (16 P); der 15er BdN war reif, sehr rund, hatte eine leichte, aber unaufdringliche Süße und einen schönen Abgang (15,5 P).

 

Kundenfreundlichkeit: Der Empfang durch den verspielten Hauswelpen war äußerst herzlich, die nachfolgende Bürodame zeigte sich auch empfangswillig, war aber etwas steif, weil sie außerhalb ihres Kernkompetenzbereichs eingesetzt wurde. Die spätere Begleitung durch die "Chefin" war dann gekonnt, zunächst mit leichter, herber Zurückhaltung im Ton, dann aber durchaus zugewandt.

Informationsgehalt: Frau Geil war durchaus auskunftsbereit in allen Fragen der Vinifikation und der regionalen Lagenverhältnisse, verzichtete aber auf jegliche missionarische Botschaft, die auch schon mal weiterhilft und den jeweiligen Hof charakterisiert.

Räumlichkeiten: Der Degu-Raum war halb in den Wohnbereich integriert, dabei weiträumig und recht stilvoll möbliert. Nach Angaben der Winzerin finden Privatkunden nicht häufig in ihr Gut. Das merkt man irgendwie ...

Den ausgelagerten Keller sahen wir leider nicht, lediglich die weniger aufregenden Lagerhallen.

Preise: Im Verhältnis zu den gebotenen Qualitäten sehr vernünftig: Die einfachen Jahrgangs-Weine kosten im Schnitt 7€, die S-Weine sind für 8,90 bis 11,90 € zu haben; bei den Lagenweinen geht's dann rauf bis 17€ und beim Spätburgunder bis 23€.

 

 

Das war's dann endgültig - aber es war durchweg eine lohnende und sehr informative Weinreise mit gutem Beschaffungsergebnis (siehe unten).

 

Der langen Reise Lohn ist endlich eingebracht.

Nun harren die Flaschen des Schluck-um-Schluck-Verzehrs.

 

Finis

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© André Lundt