Reisebericht Palästina vom Oktober 2014

Der folgende Bericht greift zurück auf den Reiseblog von Bettina Louis, der auch Textabschnitte und Fotos von mir enthält.

Die auf die Besatzungsgeschichte und Politik Palästinas konzentrierte Gruppenreise wurde im Herbst 2014 von Taz-Reisen veranstaltet. In Reiseverlauf kamen die Teilnehmer mit Vertretern verschiedener NGOs und ausgewählten Bewohnern der unterschiedlichen Landeszonen in Kontakt.

Siehe Website >http://bettinalouis.de/category/tazreise2014/

 

Reisebericht  Malta mit Gozo und Comino im April 2017  -  erster Teil*

 

 

Ostern 2017 besuchten wir in der klassischen Zweierbesetzung den Zwergstaat Malta, über den wir bis dahin nur sehr wenig wussten, was sich in Kürze ändern sollte.

Der Reiseplan sah einen elftägigen Aufenthalt auf der Hauptinsel Malta und dem kleineren "Ableger" Gozo im Nordwesten vor. Den Flug hatten wir zunächst bei Malta Air gebucht, dann aber von dem Carrier Abstand genommen, weil die Flugzeiten mehrfach geändert wurden, was ja nicht unbedingt sein muss. Leider landeten wir dann bei und mit Ryan-Air, dem Sparflieger-Unternehmen mit den unangenehen Geschäftsmethoden, aber eine große Auswahl hatten wir nicht gerade. Wer jedoch über Alternativen verfügt, sollte auf die irische Gesellschaft besser verzichten, denn es handelt sich dabei eher um einen "Butterflug" mit permanenten Verkaufsaktionen bei gleichzeitigem Verzicht auf ein kostenloses Getränkeangebot.

Angekommen sind wir aber immerhin und sogar pünktlich! Danach das Übliche: Die Suche nach dem vorab gewählten Autovermieter, der wuselige Formularkram und die Wagenübernahme. Wir wurden mit einerm Kia beglückt, einem sehr funktionalen Fahrgerät mit extrem schlechter Sicht und einem lächerlich großen Wendekreis. Aber was machen, wenn man zügig vom Airport weg möchte?

 

 

Also dann der erste Tag, 9. April:

 

Viel war vom Starttag ja nicht mehr übrig, denn es war mittlerweile so um die 15.00 Uhr, weil es so lange dauerte, bis wir uns an das Navi und das sehr eigenartige maltesische Straßensystem gewöhnt hatten. Erschwerend kam die bizarre Sprache hinzu – keine „normalen“ Namen, sondern immer und überall diese halb arabischen, halb hebräischen Bezeichnungen, die nicht nur unaussprechlich, sondern auch alles andere als einprägsam waren.

Der Linksverkehr mach die Eingewöhnung ja auch nicht unbedingt einfacher, aber immerhin kam mir da die namibische Verkehrspraxis zugute. Unerfreulich nur, dass die unzähligen Round-abouts mit ihren schwer erkennbaren Wegweisern und die sehr robuste Fahrweise der Indigenen den Anpassungsprozess deutlich erschwerten. Na gut, man kommt durch, aber es verlangt hohe Aufmerksamkeit.

Eine knappe Stunde später erreichten wir die Fewo in Birźebugga, ein Ort ganz im Südosten des Eilandes, dessen halbwegs korrekte Aussprache zu erlernen mich zwei Tage kostete – vom Hanni gar nicht zu reden. Die lautliche Realisierung dieses Namens läuft in etwa auf so ein leicht vernuscheltes Birsdjebuddscha hinaus – schwer gewöhnungsbedürftig. Die Einheimischen sind aber wenig nachtragend, wenn man sich phonetisch verirrt.

 

Nun sind wir ja schon darauf eingestellt, in der Ferne, zumal in der europäischen Randzone (man liegt ja unterhalb von Tunis) einen anderen Wohnstandard als den gewohnten vorzufinden, doch trafen wir es in diesem Fall prima vista ziemlich komfortabel, wenngleich schon ganz zu Anfang die unmittelbare Lage an der Hauptverkehrsstraße leichte Beeinträchtigungen vermuten ließ. Heute war jedoch Sonntag  und so hatten unsere Trommelfelle noch ein paar Stunden Leidensaufschub. Immerhin wurden wir durch den Ausblick entschädigt, der dann doch von der feineren Art war.

 

 

 

Kaum zu glauben, aber wir konnten den ganzen Kasten bewohnen. Unten ziert unser 'Hausgeist' das schicke Gehäuse.

 

 

Aus dem Fenster blickten wir direkt auf den Hafen

 

Die Terasse im 3. Stockwerk war gut angelegt, jedoch nur bei schwachem Wind nutzbar, und den hatte wir eher selten

 

 

Den späteren Nachmittag – es war immer noch ungewohnt kühl und gar nicht mittelmeermäßig – nutzten wir für einen ersten Einkauf im convenience shop 300 m weiter, wo wir immerhin einen brauchbaren Grundstock an Lebensmitteln und auch Wein erhielten. Für den Start und den nächsten Morgen waren wir also schon einmal ganz gut gerüstet.

Den Rest des Tages investierten wir schließlich in einen Ortsrundgang, in dessen Verlauf wir unter anderem mit der Tatsache konfrontiert wurden, dass auch ein maltesischer Urlaubsort (der nachgeordneten Art) von Gewerbetätigkeit leben muss. In diesem Fall von einem wirtschaftlich sicher einträglichen Containerumschlaghafen, der in seiner ganzen Pracht gleich hinter der nächsten Kurve unserer „Wohnstraße“ das optische Umfeld bestimmte. Hier ein repräsentativer Eindruck:

 

 

Schöne neue Industriewelt ....

... aber auf Kosten des Stadtbildes!

 

 

Da hilft dann auch kein Kinderspielplatz mehr - verpfuscht ist verpfuscht

 

Nach dem Abendessen in dem (unseres Wissens) „zweitbesten“ Restaurant der Stadt, das wir in sehr fröhlicher Atmosphäre inmitten der Einheimischen genießen, schließen wir endlich den Tag ab, lauschen dem andauernden Wind, der um die Hausecke pfeift und rüsten uns mit einer schweren Oropax-Ladung gegen die invasiven Motorengeräusche der Straße.

 

 

Montag, 10. April

 

Den ersten richtigen Ferientag wollen wir nicht gleich für Valetta verwenden, da es dort sehr quirlig zugeht. Also nehmen wir uns den äußersten Süden der Insel vor, um uns langsam an Malta zu gewöhnen. Anfangspunkt unserer Tagestour ist Mdina, eine ebenso alte wie trutzige und beeindruckende Festungsanlage und -stadt in relativ zentraler Insellage. Obwohl die früheste Besiedlung schon vor ca. 3000 begann, errichteten erst die Römer um 200 v.Chr. die heutige Befestigungs-anlage unter dem Namen Melita, die schnell erweitert und zur Hauptstadt des Inselstaates ernannt wurde. Um 870 n. Chr. fiel die Stadt an die Sarazenen und erhielt daraufhin ihren arabischen Namen, wurde aber schon im 11. Jhd. wieder von den Arabern befreit und 1530 von den Johannitern übernommen.

 

Innerhalb des extrem starken Festungsringes befindet sich ein dichtes Netz kleiner Straßen und Gassen; die einzelnen Häuser und Palazzi weisen ebenso maurische Stilelemente wie auch Renaissance- und Barockfassaden auf. Der für die Bauten einheitlich verwendete helle Sandstein gibt der Anlage ihr homogenes Gepräge und verleiht zugleich dem Mauerwerk eine bemerkenswerte Eleganz, die in spannungsvollem Kontrast zu dessen Massivität steht. Angenehm fällt auf, dass die Festung trotz starker Besucherströme nicht zum Souvenirjahrmarkt verkommt, aber vielleicht sieht das ja in der Hochsaison anders aus.

 

 

Der alte Festungsgraben Mdinas mit Zugang zum Stadttor

 

Die eng geführten Gassen der Stadt schützen vor sommerlicher Sonnen-strahlung

 

Ein repräsentativer Palazzo im Zentrum der Festungsanlage

 

Gleich außerhalb des historischen Zentrums spielt sich das moderne Stadtleben im neuen Rabat ab, einem der größeren Inselorte mit schönen Seitenstraßen und unter anderem zwei großen Katakombenanlagen (St. Paul und St. Agatha), die nach heutiger Auffassung ausschließlich als christliche Begräbnisstätten dienten.

 

Von Rabat und Medina nehmen wir den Weg zur Südküste, die wegen ihrer steilen Dingli-Klippen gerühmt wird. Der Weg dorthin ist zum wiederholten Male nicht gerade leicht zu finden, obwohl es sich doch um eine Touristenattraktion handeln soll. Wie sich später noch bestätigen wird, tun die verantwortlichen Verwaltungen viel dafür, den Touristen zu verwirren und an einer schnellen Zielerreichung zu hindern. Auch der Navi kann hier nicht immer weiterhelfen, denn dem fehlen häufig genug die erforderlichen Straßennamen oder aber die aktuellen Updates zur Einarbeitung neuer Einbahnstraßen.

Die sind ja wahrlich ein Thema für sich. Schon sinnvoll, bei vielen engen Gassen den Verkehr geschickt zu leiten, aber der Malteke macht so ein Chaos daraus, dass man die Übersicht (und Einsicht in die Maßnahme) völlig verliert.

 

Irgendwie kommen wir dann doch noch in Klippennähe, haben aber einige Mühe, einen Parkplatz zu finden, weil eine solche praktische Einrichtung wohl für überflüssig gehalten wird.

An der Steilküste schließlich angelangt, suchen wir nach einem gangbaren Pfad, um nun auch die Felsattraktion dwer Dingluklippen  in Augenschein nehmen zu können, doch auch hier braucht man wieder eine Wünschelrute. Als wir dann doch noch freien Blick auf die Abbruchkante erhalten, zeigt sich uns ein recht imposantes Kalkfelsenprofil, doch fehlt es an diesem Tag leider an der richtigen Stimmung und dem zur Szenerie passenden Licht. Die Sonne und vorsichtige Wärme, die wir in Medina schon ansatzweise genießen konnten, ist nun wieder einer kühlen Witterung gewichen, weshalb die Felsenküste im wahrsten Sinne des Wortes „unterbelichtet“ wirkt. Dennoch ganz nett und schon mal ein Anfang. Wir können ja noch nicht wissen, was uns in Gozo erwarten wird.

 

 

Das Dingli-Cliff im Süden der Insel

 

 

Da bis zur Dämmerung noch zwei, drei Stunden verbleiben, entschließen wir uns, im Anschluss an die Klippen-Stippvisite die Gelegenheit zum Besuch der nahe gelegene Tempelanlage von Hagar Qim und Mnajdra zu nutzen. Mit der Ausgrabung und Rekonstruktion der zweiteiligen Zeremonienstätte wurde 1839 begonnen. Während Hagar Qim, der erste Teil der frühgeschichtlichen Anlage auf ca. 2800 v. Chr. datiert wird, vermutet man, dass der älteste Teil des Mnajdra-Tempels bereits 3400 v. Chr., ein später hinzugefügter Bereich dann um 2700 errichtet wurde.

 

Die beiden ca. 500 m auseinander liegende Tempelstätte beeindrucken durch die Verwendung von gewaltigen Monolithen aus Globigerinenkalkstein, aus denen der äußere Mauerring gefertigt wurde. Einer der zugehauenen Steinquader wiegt beachtliche 2000 Tonnen, ein Gewicht, das nur unter Einsatz einer ausgeklügelten Technologie für den Transport- und die Positionierung gestemmt werden konnte. Heute ist in beiden Anlagekomplexen die Raumgliederung mit den einzelnen Tempelnischen und Altarapsiden wieder gut zu erkennen, allerdings konnten Details über die Lebensform und die zeremoniellen Praktiken der frühgeschichtlichen Siedler aus den aufgefundenen Relikten nicht erschlossen werden. Zwar bemüht man sich, im Besuchszentrum mithilfe eines Videos einen groben Eindruck davon zu vermitteln, wie die Tempelbauer bei der Errichtung der Anlage vorgegangen sind und wie sie ihren Kultus ausgeübt haben, aber auch mit gutem Willen muss man diesen filmischen Rekonstruktionsversuch als gescheitert betrachten.

 

 

Ein kurzer Bilder-Querschnitt von Hagar Qim

 

Den ereignisreichen Tag beschließen wir mit einem abendlichen Ausflug nach Masalforn, einem noch sehr intakten Hafen- und Fischerstädtchen unweit unseres Standortes Birzebugga. Obwohl montags viele Restaurants geschlossen sind, finden wir noch eine kleinere Beiz, in der wir ein weiteres Mal unseren Fischappetit stillen. Geboten werden Grouper für Hanni (die nicht so ganz zufrieden damit sein kann) und für mich eine Brasse oder so was ähnliches. Nun, ein kulina-risches Fest wird die Mahlzeit nicht, aber immerhin kommt nichts zurück.

Dann aber ab in unser Gemäuer, wo wir nach einiger Zeit der Lektüre den Kampf gegen den Straßenlärm aufnehmen.

 

 

 

 

Dienstag, 11. April

 

Nach dem eher ländlich geprägten ersten Ausflugstag ist heute der Hauptstadtbeat angesagt. Auf die Fahrt mit dem „eigenen“ Auto nach La Valetta verzichten wir, nachdem uns unsere Vermieterin auf die günstige Busverbindung zur Altstadt hingewiesen hat. Wir benötigen gerade mal eine halbe Stunde bis zum Tritonenbrunnen, dem Vorplatz der ehrwürdigen Johanniter- Siedlung aus der Renaissancezeit (1566). Die alte Festungsstadt Valetta gibt bis heute der Kapitale Maltas ihren Namen, obwohl die Hauptstadt eigentlich ein Konglomerat aus mindestens sieben eigenen Stadtregionen bildet, wovon die zentraleren Bezirke Floriana und die sogenannten „Three Cities“ noch zum historischen Kern gerechnet werden können, wohingegen sich die peripheren Stadtteile erst in späteren Jahrhunderten mit dem alten Siedlungsbestand verbanden.

An diesem ersten Besuchstag konzentrieren wir uns, was sich auch sehr empfiehlt, zunächst auf die alte Johanniter-festung, die heute Teil des Unesco Weltkulturerbes ist – und das in der Tat völlig zu Recht. Die grandiose, aber auch strategisch günstig gelegene Halbinsel wurde nach ihrer Eroberung von den Türken durch die Ritter des christlichen Johanniter-Ordens mit extrem hohen Festungsmauern gesichert und in ihrem Inneren ebenso kunstvoll wie kostspielig ausgebaut. Obwohl die Zahl der herausragenden Einzelbauwerke und kulturellen Einrichtungen und damit auch der touristischen Highlights eher bescheiden ausfällt, ist der Besuch der Festung ein erhebendes Erlebnis, was vor allem auf die Einheitlichkeit des Baustils und der verwendeten Materialien zurückzuführen ist; auch hier griffen die Bauplaner wieder auf den reichlich vorhandenen ockerfarbenen Kalkstein des Inselfundamentes zurück.

 

Nach einem Blick in die Empfehlungsliste unseres Guides besuchen wir die große und überbordend mit Barockdekor ausgestattete St. John's Co-Cathedral von Gerolamo Cassar (1573) mit ihrem berühmten Freskengewölbe, das von Mattia Preti äußerst aufwendig gestaltet wurde. Die Innenwände des Kirchenschiffs und der 12 Kapellen, die den einzelnen Landsmannschaften der Johanniter gewidmet sind, weisen prunkvolle Goldverzierungen aus, die nicht unbedingt geschmacksicher wirken, aber dennoch sehr eindrucksvoll ausfallen. Den absoluten Höhepunkt des Kirchenraumes aber bilden die beiden Gemälde von Caravaggio, die im integrierten Oratorium, dem Kirchenmuseum ausgestellt sind: das phantastische Lichtkunstwerk „Die Enthauptung des heiligen Johannes“ und „Der heilige Hieronymus“- das ist ein Muss!

 

 

 

Chor und Altar der St.Joh's Cathedral

 

 

 

Seitliche Choransicht

 

 

 

Das von  Mattia Preti ausgemalte Gewölbefresko...

 

 

... schildert die Lebensgeschichte Johannes' des Täufers

 

 

 

Nach einer kleinen Stärkung inmitten von mehreren tausend Touristen – you never are alone at famous places! - setzen wir unseren Rundgang zu den weiteren Sehenswürdigkeiten fort, zum leider (wegen eines EU-Gipfels) geschlossenen Großmeisterpalast der Johanniter, zur alten Hauptwache, zur Karmeliterkirche, zur Lascaris-Bastion im Südosten der Festung, zum Castille-Square und, last not least, zum großen, von Renzo Piano im Jahre 2011 völlig neu gestalteten Eingangstor La Valettas (Ciy Gate) – nahe am neuzeitlichen maltesischen Parlamentsgebäude gelegen.

Natürlich durchstreifen wir auch zahlreiche Altstadtstraßen bis hin zum Fort St.Elmo im an der Nordspitze des Kaps und lassen uns von den prachtvollen und größtenteils sehr gut erhaltenen Hausfassaden mit ihren Holzbalkonen und Erkern beeindrucken.

Es bleibt bei einem solchen Angebot an historischer Substanz nicht aus, dass auch das einheimische Gewerbe von dem Besucherstrom profitieren will, und so muss man also etliche Imbissstände, Kioske und Souvenirläden geduldig hinnehmen, die sich allerorten zwischen die Herrschaftshäuser und die wenigen modernen Modegeschäfte gezwängt haben.

 

 

 

 

Blick auf die Ostflanke der Halbinsel von der Lascari-Bastion aus

 

 

 

 

Eine der größeren Nord- Süd-achsen durch die hügelige Stadt

 

 

 

 

 

Charakteristische Treppen-

straße in La Valetta
 

 

Charakteristisch für die Hausfassaden Valettas (und andernorts)  ....

 

 

 

.... sind die stilvollen Holzerker mit Balkonqualität

 

 

 

Das neue Parlamentsgebäude Maltas

 

 

 

Wuchtiger Wehrturm am Eingang der Festung

 

 

 

Blick von der Mauer Valettas auf Fort Ricasoli im Osten der Hafenbucht, davor ein Schlepper zur Beförderung von Aquakultur-Käfigen!

 

 

 

Viel Zeit im Rahmen unserer Gesamtplanung bleibt uns ja nicht für Malta und so entschließen wir uns, an den Valetta-Besuch noch die Besichtigung des südlich der Festung gelegenen Stadtteils Floriana anzuschließen, der sich gerade dann empfiehlt, wenn man zur Abwechslung einmal in etwas ruhigere Gefielde ausweichen möchte. Auch Floriana weist noch gut erhaltene bzw. historische Bausubstanz auf, ist jedoch nicht ganz so rausgeputzt wie Valetta und vermittelt daher den Eindruck eines "normalen" Quartiers mit dem üblichen Alltags-Schnickschnack und Gewusel.

Eine Ausnahme davon bildet die mittlerweile berühmte "Waterfront", eine am Hafenkai gelegene schmuck aufgepeppte Zeile mit zahlreichen fancy Restaurants, die geschickt in alte Speicherbauten integriert wurden.

 

 

 

 

Schöne Gebäudeformation an Florianas Hafenmole

 

Die noble "Waterfront" von Floriana mit ihren Beizen, die uns nicht reizen

 

 

Mittwoch,  12. April

 

Was steht heute an? Wieder mal ein volles Programm. Nach dem hektischen Tag gestern ist am vorletzten Tag auf Malta ein Ausflug in den etwas einsameren Norden der Insel angesagt. Dort erwarten uns die besten Strände Maltas und - logischerweise - einige Tourimuszentren, die dort aufgezogen werden konnten, weil es an den begehrten Buchten noch genügend Platz gab. Zunächst fahren wir mit unserem plumpen Kia über Qormi und Mosta in der Inselmitte bis nach Bugibba im Nordwesten - einer völlig gesichtslosen Murkelstadt mit Kramläden und zähem Verkehr, dementsprechend auch ohne Flair und Reiz.

Da nichts zum Verweilen verführt, setzen wir die Fahrt gleich fort und zielen auf den nächsten Ort namens  St. Pauls's Bay, der aktuell nach Valetta das größte Touristenzentrum der Insel bildet. Überall an der Bucht schießen gleichförmige Appartmentbauten mit bis zu acht Stockwerken in die Höhe. Noch ist es ja leer hier, aber dennoch jetzt schon ziemlich abtörnend. Wie mag es wohl sein, wenn sich zu den langweiligen Silos noch die schmerbäuchigen und Kampflieder singenden (bevorzugt englischen) Touristen gesellen? Wir malen uns das Desaster nicht weiter aus und nehmen erneut Fahrt auf.

Die nächste Station ist Mistra Bay, von der wir ein wenig mehr erwarten, weil dort noch mangels älterer Infrastruktur eine gewisse Einsamkeit herrscht. Schön ist es allerdings auch hier nicht; es fehlt der Strand, der Hafenkai ist verwaist, abgesehen von zwei reglosen Anglern, die auf Beute hoffen. Thumbs up! Dennoch machen wir ein wenig abseits einen kurzen Spaziergang, der uns zu einer Tauchstation und zu einem struppigen Plateau führt. Leider wird auch dies bald uninteressant. Na dann tschüss!

 

Schließlich erreichen wir Mellieha, den letzten nennenswerten Ort im Norden Maltas, bevor dann die (oder der?) Marfa Ridge und der "Last Exit" Cirkewwa kommt, die Fährstation in Richtung Gozo.

Auch Mellieha entgeht sichtlich nicht dem Schicksal St. Pauls, befindet sich also im Umbruch von einer kleinen, ganz beschaulich gelegenen Provinzstadt zum Hully-gully-Zentrum des Fremdenverkehrs. Es ist eine Tendenz, die wahrlich unfroh macht.... Zur Ehrenrettung Melliehas sei gesagt, dass es im alten Ortskern noch eine schöne, auf einem Hügel errichtete Kirche mit einem beschauliche Friedhof gibt. Praktischer Weise liegt gegenüber gleich ein Imbiss- und Kaffee-Stand, an dem wir uns mit frischen Cappucino versorgen können - eine absolut erfreuliche, aber auch notwendige Verstärkung unserer frühen Portion Nescafélorke im trauten Heim.

 

 

Das Gotteshaus von Mellieha

Und gleich nebenan zeitgenössische Street-Art

Wo eine Kirche ist, kann auch der Gottesacker nicht weit sein - voilà!

 

Von Mellieha aus ist es nur noch ein kleiner Sprung bis zum „Nordostkap“ Maltas, der völlig flachen Marfa Ridge, auf der sich vorzugsweise Taucher treffen, wohl weil es hier eine recht sehenswerte Unterwasserwelt zu sehen geben muss. Landschaftlich gesehen kann man allerdings nicht gerade von einer erlesenen Szenerie reden; es gibt zu wenig Vegetation und die „Ressorts“ machen keinen sehr verlockenden Eindruck. Wir streifen also weiter und erreichen sehr bald das nahegelegene Cirkewwa, den Fährhafen Maltas, von dem aus die Boote nach Gozo und Comino übersetzen. Direkt in Hafennähe hat der Hotel-Tycoon Radisson einen riesigen Wohlfühlkomplex hingeklotzt – einen schrecklichen Doppelbau mit erzlangweiliger Fassade in einer wahrhaft abtörnenden Umgebung und mit hervorragender Aussicht auf die vorbeirollenden Fahrzeuge, die zu den Fähren streben.

Nur einen Kilometer weiter stoßen wir dann auf die Paradise Bay, eine viel gepriesene Badebucht, die jedoch bei aller Wohlgeformtheit ziemlich steinig ist. Gleich neben ihr machen wir eine erneute Kaffee- und Snackpause in einem Miniressort, an die wir wenig später einen Minirundgang durch den Garten der Anlage anschließen.

 

 

 

Die viel gepriesenen Paradise Bay unweit des Fährhafens bei Cirkewwa

 

 

 

Da neben der Paradiesbucht noch weitere Strände im Nordwesten ausgelobt werden, zögern wir nicht, auch diese Orte anzufahren – immer auf der Suche nach dem idealen Spot zum Seele baumeln lassen. So also kommen wir etwa gegen 16 Uhr zur Golden Bay, zweifellos der lohnendsten Badebucht Maltas – mit einer schön geformten, feinsandigen Strandzone, an der man sich, wenn man denn will, auch Liegestühle mieten kann. Die Bucht ist erwartungsgemäß gut belegt, aber zur Zeit wenigstens nicht überfüllt – ein Zustand, der sich mit näher kommendem Sommer gewiss noch ändern wird. Wir stellen den Wagen auf einem (zum ersten Mal) halb gebührenpflichtigen Parkplatz ab, um die Bucht abzuwandern. Auf ihrer Südseite erklimmen wir wohlgemut einen Hügelkamm und blicken von dort auf die benachbarte Gnejna Bay, die wegen ihres felsigen Badeplateaus einen gewissen Ruhm genießt, der aber heute niemanden zu reizen scheint – chaqun a son goût!
Auf dem Rückweg zum Parkplatz hadert Hanna damit, dass sie ihren Nixen-Suit nicht angelegt hat und daher auf ein Bad im verlockenden Mittelmeer verzichten muss. Immerhin sind doch schon viele Strandbesucher im Wasser, obwohl dessen Temperatur eigentlich noch nicht den gewünschten Sollwert erreicht hat. Da werden sich wohl die unerschrockenen Schotten den Wellen hingeben...
Die nur eine Biege weiter an die Golden Bay anschließende Ghain Tuffieha Bay – auch ein empfehlenswerter Badeplatz – lassen wir dann nach kurzer Erwägung unbehelligt. Wie heißt es doch? Same same, but different! Man muss auch mal was auslassen können.

 

 

 

Die Golden Bay - Maltas Vorzeigebeach ....

 

 

...  ist gut besucht, selbst bei frischem Wetter

 

 

 

 

Gleich nebenan der "Strand" von Ghajn Tuffieha ....

 

 

....  mit seiner charakeristischen Faulenzerrampe und der Badebucht Gnejna im Hintergrund

 

 

Nach all den Häfen, Stränden und Ortschaften ist für heute genug geleistet. Zürück also in unser Heimatdorf!  Aber das geht dann doch nicht so einfach, denn obwohl wir einfach stracks nach Süden über die beste Straße in die Fewo wollen, entscheidet der Navi sich für eine andere Lösung. Und die heißt: möglichst versteckte enge Schleichwege durch die Felder und Hinterhöfe des Inselsüdens. Die ausgesuchten Feldwege sind so eng, dass gerade mal unser Leihwagen auf die Piste passt und das auch nur knapp. Bei Gegenverkehr bedarf es einer guten und vor allem rechtzeitigen Abstimmung, um lange Rückwärtsfahrten zu vermeiden. Mit einigem Glück gelingt das sogar, aber wir sind nicht unfroh, als wir endlich wieder unseren Containerhafen sichten und wissen, wo wir eigentlich sind.

Für die Mühen des Tages belohnen wir uns, indem wir nach einer kurzen Zwischenrast erneut aufbrechen, doch jetzt nur für die Kurze Fahrt nach Marsaxlokk, wo wir zum zweiten Mal lecker Fisch vertilgen wollen. Heute haben immerhin mehrere Restaurants geöffnet, so dass wir eine gewisse Auswahl haben. Wir entscheiden uns für das empfohlene La Capanna, wo wir als Vorspeise Octopus und zum Hauptgang jeweils eine knallfrische Sea Bass bestellen. Der Einsatz lohnt wahrhaftig, der Fisch ist einfach göttlich!

 

 

Abendstimmung am Fischerhafen von Marsaxlokk

 

 

 

Eines der typischen maltesischen Fischerboote mit dem charakteristischen Farbmuster

Donnerstag, 13. April

 

 

Heute ist unser letzter Tag in Birzebugga, weshalb wir den Morgen zunächst zum Vorpacken benutzen, damit wir am Abend etwas entlastet sind. So gegen 10 Uhr sind wir damit fertig und können zu den noch verbleibenden Zielen aufbrechen.

Wir haben uns vorgenommen, als Ersatz für eine Umrundung der Hauptinsel mit dem Boot, die zur Zeit leider nicht angeboten wird - wie dumm von den Leuten! - wenigstens eine Hafenrundfahrt in Valetta zu unternehmen, was bei den sehr weitläufigen Kaianlagen der Stadt und den vielen Nebenbuchten sehr reizvoll erscheint.

Erneut nehmen wir den Bus, dieses Mal aber eine andere Linie, wofür wirt gleich "bestraft" werden, denn mit dem gewählten Bus befahren wir irgendeine seltsame Nebenstrecke, so dass wir dieses Mal deutlich mehr Zeit für den Weg benötigen.

Zunächst steuern wir wieder den Tritonenbrunnen an, denn alle Busse "aus der Provinz" laufen in Valetta das gleiche zentrale Ziel an. Dort angekommen müssen wir zunächst den Anschlussbus suchen, mit dem wir schließlich nach Sliema fahren, dem modernen und teuren Zentrum der Hauptstadt. Die für uns passende Haltestelle am "Strand" von Sliema müssen wir erraten, sind dabei aber wenigstens erfolgreich. Der Hauptkai des Stadtteils ist vollgestellt mit allerlei Verkaufsbuden, wobei hier die Niederlassungen der Ticketverkäufer eindeutig überwiegen. Ganz bald schon haben wir die beiden Tickets für die Bootstour erstanden, doch bleiben uns noch 40 Minuten Zeit bis zur Abfahrt. Diese Frist nutzen wir für einen kurzen Bummel über die Uferstraße und zu einer nahegelegenen Mall, in der wir nach einiger Suche doch noch die ersehnten "Public Convenience" ausmachen, was uns deutlich zur Entspannung gereicht.

Auf den ersten Blick können wir uns mit der anonymen und gleichförmigen Architektur der Appartmenthäuser (Condos) nicht anfreunden: Alle Bauten sind glatt, geldig und ebenso gesichts- wie geschmacklos. Da hätte man ja mal ein wenig nachdenken können und sollen, aber nicht ausschließlich über den erhofften Profit!

 

 

 

Am "Strand" von Sliema

 

Teilansicht der auf "historisch" getrimmten Sliema-Mall

 

Neu angelegte zentrale "Plaza" mit typischen Apparrtment-Häusern

 

Frühzeitig kehren wir von unserem Abstecher in die "schöne Neue Welt" zu unserem Hafenschoner zurück, aber dennoch ist das stilistisch auf Oldtimer getrimmte Boot schon ziemlich voll.Wir verteilen uns nach bewährter Methode auf "Sol Y Ombre" und warten mehr oder weniger geduldig den Start ab. Dann geht's auf zur anderthalbstündigen Rundfahrt, die uns an fünf verschiedenen Hafenbecken vorbeiführt, so dass wir eine recht gute Übersicht über die gesamten Kais erhalten, wozu die Touristenmolen ebenso zählen wie die Industriekais oder der militärisch genutzte Bereich. Wobei auffällt, dass so gut wie kein Kriegsschiff zu sehen ist, und das, obwohl Malta doch eine eigene Flüchtlingsabwehrflotte unterhalten soll. Wahrscheinlich haben sie die Spezialkreuzer irgendwo versteckt...

 

Die nachfolgende Bilderserie gibt einige unserer Eindrücke wieder:

 

 

 

Wieder an Land schlendern wir in Sliema nochmals zur bereits erkundeten Mall, um dort ein Häppchen einzuwerfen und das Warenangebot zun inspizieren. Dann geht es zurück zum Ferryquai und von dort ab mit einem kleinen Boot zur gegenüber gelegenen Altstadt La Valetta, wo uns noch genügend Zeit bleibt, einen zweiten Rundgang anzuschließen und auf bewährte "Spots" zurückzukommen. - z.B. zur Aussichtsplattform der Lascaris-Bastion, von der aus man diese bestechenden Ausblicke genießen kann:

 

 

 

Nach all den Rundgängen und der reichlich getankten Sonne während der Hafenkreuzfahrt sind wir einigermaßen ermüdet und machen uns daher auf den Rückweg zum Busbahnhof, von wo aus wir auf bewährtem Wege nach Birzebugga zurückfahren wollen. Das gelingt allerdings nicht so wie gedacht, denn da die vorhergehene Linie und auch ein zweiter (Ersatz-)Bus ausfällt, müssen wir auf eine Sonderlinie ausweichen, die den ganz besonderen Reiz hat, uns über viele Umwege am Flughafen vorbei und quer durch die südmaltesische Industriezone - die wir bei dieser Gelegenheit recht gut kennenlernen - in unseren Zielort zu befördern. Dort angekommen bleibt noch ein wenig Zeit, bei unserem heimischen Krämer einige Spezereien für das Abendbrot einzukaufen, denn zu einem weiteren Ausflug in ein Restaurant in Marsaxlokk fehlt uns heute doch die Energie.

 

 

* Überraschender Weise verlässt mich hier das System des Providers. Der zur Verfügung gestellte Webspace reicht nicht aus, um die Erzählung zu einem guten Ende zu führen. Den zweiten Teil werde ich daher in das Submenü der "Reiseberichte" stellen, das über den folgenden Link zu erreichen sein sollte:

 

 >  Reisebericht "Malta", Teil 2

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© André Lundt