Fortsetzung des auf der Hauptseite bedauerlicherweise abgbrochenen Berichts:

 

 

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Freitag, 14. April

 

Heute folgt unser "großer Umzug": Wir brechen gegen 10.30 Uhr nach einer freundlichen Verabschiedung durch die Vermieter Mauro & Val auf und nehmen die Route nach Cirkewwa in den äußersten Norden Maltas. Den Fährhafen dort kennen wir nun ja schon und so ist es ein Leichtes, sich in die Warteschlange einzureihen, um auf die Abfahrt des nächsten Fährschiffes nach Gozo zu warten. Das aber dauert, denn es ist ja gerade Karfrfeitag, und da sind wir komischer Weise nicht die einzigen, die sich auf diesen Weg machen. Wir nutzen die Wartezeit für eine kleine Stärkung und nicht lange danach geht's dann auch los. Gut 20 Minuten dauert die Überfahrt, nach der wir - in Ermangelung irgendwelcher Parkplätze in der Hafenstadt Mgarr - gleich weiterfahren - über die Hauptstadt Vicoria, auch Rabat genannt, bis kurz vor die Nordküste zu unserem Zielort Zebugg. Das ruhige und sehr hübsch auf einem Hügelgrat in 108m Höhe angesiedelte Dorf macht prima vista einen freundlichen Eindruck, ist aber - bedingt durch die Höhenlage - im Schatten kühl, sprich: es weht ein frischer Wind, der im Sommer ja sehr willkommen sein mag, in dieser Jahreszeit jedoch verfrüht und überflüssig erscheint.

 

Um kurz nach eins rufe ich unsere zuständige Vermieterin an, die uns verspricht, ihren Mann so rasch wie möglich zu uns auf den Kirchplatz zu schicken, damit er uns von dort aus zu unserer etwas versteckten FeWo fahren kann. Also warten wir ab, und tatsächlich werden wir nach kurzem Warten von einem agilen Mann Anfang 40 angesprochen, der uns nach knappere Begrüßung ohne Umschweife zu seinem Appartmenthaus und in die gemietete Unterkunft führt und uns eilig, eilig eine Schnelleinweisung angedeihen lässt - kürzer geht's nicht!

Eigentümlich kommt uns vor, dass er 75€ weniger Geld verlangt, als vereinbart war, aber wir wären die Letzten, die sich nicht über eine substantielle Ersparnis freuen würden.

Die Fewo erweist sich als wirklich riesig, gute 200 qm groß, mit drei Schlaf-zimmern, einem äußerst geräumigen Flur und einem riesigen Wohnbereich mit einer ebenso ausufernden Terasse mit Westausrichtung. Auch über die Küchen- größe kann man keinesfalls klagen. Die kleinen und weniger kleinen Nachteile des Appartment sind jedoch auch  nicht zu übersehen oder zu überfühlen:  Die Einrichtung ist erkennbar in die Jahre gekommen, es riecht nach ungelüfteten Räumen, feuchten Wänden und muffigen Schränken. Immerhin sind die beiden Badezimmer auf den erste Blick in Ordnung und funktionsfähig und es gibt sogar zwei mobile Gasöfen, die auf Wunsch entzündet werden können. Das ist vielversprechend!

 

Was bleibt uns übrig, als die Verhältnisse jetzt erst einmal zu nehmen wie sie sind. Es wird an uns liegen, die Dinge im Rahmen der Möglichkeiten ein wenig umzuarrangieren, vor allem aber, die Räume zu lüften.

Genau dieser Aufgabe nehmen wir uns an, nachdem der geschäftstüchtige Manager eines Caterting-Betriebes uns etwas überstürzt verlässt. Nach ca. einer Stunde Frischluftzufuhr, Möbelrücken, Koffer Auspacken, Wäsche einräumen und Kühlschrank Bestücken sieht es bereits etwas besser aus. Ungelöst bleibt lediglich das ewige und offensichtlich strukturell bedingte Problem der Beleuchtung: Wieder gibt es kein Leselicht, auch dann nicht, als ich die Vermieterin nach zwei Stunden kontaktiere, um  sie um einige zusätzliche Lux und Lumen zu bitten. Sie lehnt aber jede Abhilfe mit dem schlichten Argument ab, dass so etwas nicht vorgesehen sei. Offensichtlich trösten sich 99% der Besucher mit dem TV-Programm, das schon einmal die Hütte erreicht haben muss, jetzt aber nicht aktuell zur Verfügung steht, weil die Antenne nur eine unzureichende Leistung erbringt. Na prima, so kommen wir wenigstens zu anderen Freizeitbeschäftigungen. Aber genug geklagt...

 

 

Unser opulenten Wohnbereich in Zebugg....

 

...  sieht deutlich besser aus als er riecht

 

Zur Kräftigung gibt es noch einen kleinen Imbiss mit Neskaffee , dann geht es auch schon los zur ersten Erkundungsfahrt, die uns an die Küste in den wahr- scheinlich größten Touristenort Gozos, nach Marsalforn führt. Hier sieht es zunächst vom Stil und vom Speiseangebot so aus, als hätten die englischen und deutschen lower middle class-Touristen die Mehrheit, aber noch möchten wir uns nicht festlegen. Da es Feiertag ist, hält sich der Betrieb in Grenzen, und auch ein Restaurantchef an der Hafenstraße räumt uns bereitwillig einen Platz fürs Dinner ein, als wir ihn danach fragen. Nachdem so die dringendste Sorge um ein gutes Essen zerstreut ist, fahren wir wieder zurück in unser neues Heim, um dort unsere Installation für gut fünfTage zu vervollständigen.

 

Ohne genauer zu wissen, ob es am heutigen Karfreitag irgendwelche Feierlich- keiten wie eine Prozession oder dergleichen in dem kleinen Ort mit seiner imposanten Kirche gibt, dränge ich meine leicht erschöpfte Partnerin dazu, mit mir um 18 Uhr zum zentralen Dorfplatz zu wandern und nachzuschauen, ob es dort etwas Sehenswertes an Osterprozessionen gibt.  Und siehe da, der Platz ist voller Einheimischer in schwarzer und nach den örtlichen Maßstäben wohl sonntäglicher Festkleidung. Am Platzrand hat eine durchaus stattliche Kapelle mit uniformierten Bläsern, Trommlern und Schalmeienspielern Aufstellung genommen, gleichzeitig deutet sich am Kirchenportal die Einleitung zu einer Art Aufzug an, umrahmt und offenbar gesegnet vom Ortspopen und mehreren würdigen Ordonanzen (oder wie man in diesen Kreisen sagt), die sich mit ihrem weißbekittelten Chef für weihevolle Handlungen bereit halten. Es ist anzuneh- men, dass die Katholiken besser wissen, was das alles zu bedeuten hat -  in jedem Fall folgt das Schauspiel festen und den Anwesenden ganz vertrauten Regeln.

 

Nur drei Minuten später verlassen eigentümlich gekleidete Männer mit Metallhelmen und roten Tuniken das Kircheschiff und schreiten gemessenen Schrittes auf den Platz. Ersichtlich stellt die Truppe ein Kontingent römischer Soldaten dar, so dass wir davon ausgehen dürfen, dass im Folgenden noch weiteres und allemal gewichtigeres Personal das Kircheninnere verlassen wird. Um es kurz zu machen: Wir werden mit einigen Glück Zeugen einer vollstän- digen und kostbar inszenierten Karfreitagsprozession mit allem dazugehörigen Tamtam, also der Darstellung der gesamten Passionsgeschichte, der die Regisseure oder Prozessions-Intendanten zur Abrundung und Erweiterung gleich noch zahlreiche Kernszenen der alttestamentarischen Geschichte hinzugefügt haben - gewagt, aber sehr unterhaltsam. Schade, dass es immer kühler wird und wir, die wir uns - unter leichten Misfallensgesten der Umstehenden - eine günstige zentrale Position erobert haben, allmählich zu bibbern beginnen. Dennoch sind wir entschlossen, noch ein Weilchen durchzuhalten, damit uns die schönsten Passionsszenen nicht verloren gehen. So dürfen wir also noch die Schaustellung Moses' mit seinen Gebotstafeln, die Verführungsszene Adams durch Eva, die Darstellung des Abendmahls, die Verurteilung Jesu durch Pilatus, die Vorführung des in Kertten liegenden Barabas und zuguterletzt als Höhepunkt die dramatische Kreuzigungsszene miterleben.  Respekt! Da hat sich die Einwohnerschaft wirklich ins Zeug gelegt und keine Mühe gescheut. Bleibt nur zu hoffen, dass die aufwändigen Figuren in den nächsten Jahren wieder hervorgeholt werden können, doch davon möchte ich ausgehen.

 

Und hier das Erlebte noch einmal in Bildern:

 

 

Nach diesem unerwarteten Schauspiel sind wir völlig durchgefroren und am Ende des Tages auch schon so müde, dass aus unseren Abnedessen in Marsalforn nichts mehr wird, aber es ist ja noch nicht aller Urlaubstage Ende.

 

 

 

 

Samstag, 15. April

 

Wieder sind wir relativ früh auf den Beinen, denn die Sonne scheint nur wenig abgemildert durch die Schlafzimmergardinen. Das Frühstück wollen wir heute morgen wieder einmal außerhalb einnehmen, und da in Zebugg kein geeignetes Café existiert, fahren wir über die steile Umleitungsroute hinunter an die Küste in Richtung Marsalforn. Am Meer angelangt treffen wir auf unerwartet zahlreiche Wanderer und Autos. Der "Andrang" wird uns klar, als wir die von der Brandung ausgespülte Kalksteinküste zu Gesicht bekommen, denn hier befinden sich die auch im Reiseführer empfohlenen Salinenbecken mit den dahinter liegenden sanften Felsklippen, die teils bizarre, vor allem aber ästhetisch geschwungene Einbuchtungen und schildförmige Aufwerfungen aufweisen. Heute jedoch ziehen wir das erstrebte Frühstück den Landschaftsreizen vor, weshalb die Salinen noch etwas warten müssen.

Zu unserem Erstaunen finden wir bei Ankunft in dem kleinen Hafenstädtchen kaum Menschen vor; es sieht dort aus wie sonntags um 7 Uhr morgens. Konsequenter Weise sind auch die meisten Restaurants noch geschlossen bzw. erst ganz langsam dabei, die Gasträume herzurichten. So beleibt uns noch ein wenig Zeit, am Hafenbecken auf und ab zu schlendern - in der Hoffnung, dass die ersten Restaurants in der kommenden Stunde "liefern".

 

 

 

Die "Skyline" von Marsalforn ...

 

 

Das Schönste an diesem Text ist, was Sie daraus machen!

Nach geduldigem Zuwarten fragen wir bei den Kellnern mal vorsichtig nach, aber erst im dritten Lokal bietet man uns einen Tisch an, an dem wir jedoch aller Empfangsbereitschaft zum Trotz eine ganze Weile verbringen müssen, bis wir ein auffällig schlichtes Mushroom Omlett serviert bekommen. Aber wir sind ja bereit zu lernen. Sobald wir das karge Frühstück hinter uns haben, laufen wir nochmals die Hafenmole entlang und nutzen die Gelegenheit, einen gerade eingefahrenen Fischer dabei zu beobachten, wie er seinen frischen Fang sortiert und die Fische ausnimmt. Es sind erstaunliche Raubfische dabei, ganz andere Sorten als bei uns und darüber hinaus sehr appetitanregend anzusehen. Aber wir haben ja gerade erst gegessen, wenn auch keinen leckeren Fisch ...

 

 

Fischerboote landen am Morgen fangfrischen Fisch am Hafen von Marsalforn an

 

 

Der Fisch wird gleich an Land sortiert und zum Verkauf angeboten

 

Wo wir schon in einem Ort mit richtigen Läden, d.h. kleinen Supermärkten sind, schauen wir uns auch gleich nach geeignetem Nachschub für die nächsten Tage um. Ein paar Dinge treiben wir schließlich auf, verschieben aber den "großen Einkauf" auf später.

Mit dem Wagen gehts zurück ins Appartment, wo wir die Besorgungen ablegen, um kurz darauf wieder loszufahren, jetzt nach Victoria, in die quirlige "Hauptstadt" Gozos.

Das Quirlige bezieht sich allerdings eher auf den Touristenauftrieb und mehr noch auf den Verkehr, der hier wirklich lästig ist. Was daran liegt, dass es auf ganz Gozo keine Umgehungsstraßen gibt, sondern nur sternförmig angelegte Direktverbindungen in die Inselkapitale. Und das bedeutet natürlich, dass alle Fahrzeuge die beispielsweise von irgendeinem Ort im Osten oder Norden in einen anderen Ort im Süden oder Westen wollen, alle durch Victoria fahren müssen - mit den entsprechenden Staufolgen im Zentrum.

Wir starten unseren Aufenthalt selbstverständlich mit der Parkplatzsuche, werden aber nur etwas außerhalb der Mitte fündig - was soll's?

Nach einem kurzen Besuch des "Polen"-Marktes auf dem zentralen Hauptplatz (der nichts einbringt) besichtigen wir als Erstes die Altstadt, ein wahrlich kleines, aber gut erhaltenes oder wieder hergerichtetes Quartier mit zur Abwechslung ganz ruhigen Gassen und wenig Betrieb.

 

 

Malerische Gassen

 

in der Altstadt Victorias

 

Auf der Piazza San Gorg unterbrechen wir den Stadtrundgang für einen Capuccino und den Einkauf einer ersten Ladung Souvenirs zur Beglückung des familiären Umfeldes.

Danach nehmen wir uns die große und gut erhaltene Stadtzitadelle vor, die aus strategischen Gründen im 16. Jhd. auf dem höchsten Hügel der Stadt errichtet wurde, um die Bevölkerung vor Invasoren zu schützen. Tatsächlich konzentrierte sich die Hauptstadt bis in das 17. Jhd. auf die doch relativ kleine Fläche der Zitadelle und wuchs erst danach langsam über die Festungsmauern hinaus.

Bummelt man heute durch die engen, aber sehr gepflegten Gassen der Festung, kann man sich nur schwer vorstellen, wie hier die vielen Einwohner untergekommen sein sollen, aber offensichtlich waren damals die Ansprüche an Wohnraum dich sehr viel bescheidener. Stilistisch erinnern die Häuserarchitektur, die Konstruktion der Wallanlagen und Außenmauern sowie die verwendeten Sandsteinblöcke sehr deutlich an die maltesische Altstadt Mdina, was aber aufgrund der gleichen Geschichte und Funktion der Siedlung nicht verwundern kann.

 

 

 

Die Zitadelle von Victoria von der südlichen Stadtmauer gesehen

 

 

Heute befinden sich hier nur noch wenige kleine Läden und zwei Restaurants

 

 

Wie es sich gehört: Die stattliche Kathedrale mit Vorplatz in der "Stadtmitte"

 

 

 

Von den Wehrmauern hat man eine phantastiche Sicht auf den größten Teil der Insel

 

 

Wieder außerhalb der trutzigen Verteidigungsanlage suchen wir als nächstes einen Supermarkt, den wir jedoch im gesamten Zentrum nicht entdecken können. Erst ein örtlicher Polizist kann uns weiterhelfen, indem er uns eine etwas abgelegene Straße nennt, wo sich ein solcher befinden soll. Wir marschieren einige Minuten und treffen endlich den Laden an – zu unserer Überraschung einen „richtigen“ Supermarkt mit allerlei Extras und sogar normalem Bohnenkaffe (gemahlen), auf den wir uns als erstes stürzen. Wein und Chorizo gibt es ebenfalls, dazu noch Obst, Käse und was das Herz sonst noch begehrt. Mit vollen Tüten machen wir uns auf den Rückweg zum Wagen, den wir unserer Erinnerung nach einige hundert Meter weiter weg in einer der Hauptstraßen abgestellt – aber Pustekuchen!, an der vermuteten Stelle ist die Karre nicht ausfindig zu machen. Einge gute halbe Stunde irren wir durch die umliegenden Straßen, bis wir bereits zu fürchten beginnen, das Auto könnte von der hier recht strengen Polizei abgeschleppt worden sein. Irgendwann bleiben der Logik und den geografischen Gegebenheiten nach nur noch ein oder zwei Straßen übrig, und siehe da, in einer werden wir fündig. Das Peinlich daran ist nur, dass die Stelle, wo wir geparkt haben nur etwa 50 m von unserem Supermarkt entfernt ist – shame on us! Na ja, hauptsächlich alles in Ordnung, so dass wir nun auf kürzestem Weg wieder „nach Hause“ fahren können.

 

Zurück  in unserem Loft gibt es eine kleine Stärkung; danach pausieren wir auf unserer Prachtterrasse, da heute ein ausgeglichenes Wetter mit nur leichtem Wind herrscht. Da kann man es sogar auf unserer Wuthering Height gut aushalten, wo es in etwa so aussieht (hier allerdings eine Vormittagsansicht):

 

 

Blick von unserer Terrasse nach Südosten ...

 

 

 

und - grob - nach West-Südwest. Den Leuchtturm lassen wir hier aus. Der ist in der Mitte

 

 

Den Nachmittag nutzen wir zur Abwechslung einmal für die Lektüre der mitgeschleppten Bücher. Wir erwarten nicht, dass wir das Programm ganz abarbeiten. Und da wir vorher so gut und reichlich eingekauft haben, wird heute auch das Abendessen in den "eigenen" vier Wänden eingenommen. Immerhin haben wir allerlei kleine Vorspeisen, Eier mit Chorizo, Schinken, Käse und natürlich auch reichlich Wein.

Apropos Wein: Dier lokalen Weinprodukte schmecken nur in Ausnahmefällen, die man nicht vorherbestimmen kann (sonst wären sie ja Standardf!), aber da es auch italienische Abfüllungen gibt, halten wir uns vor allem mit Sauvignon (wechselnder Herkunft) und mit Gavi di Gavi über Wasser(qualität) - was man ja unter diesen Umständen so sagen kann.

 

 

Sonntag, 16. April und damit Ostersonntag

 

 

Der beginnt naheliegender Weise wieder mit einem schönen Frühstück; immerhin haben wir alle Zutaten für ein vollwertiges Müsli erstehen können.

Nach Vollzug wird natürlich das Osterritual bedient: Erst darf ich mein Schokoladenkontingent in Eiergestalt suchen, wobei ich mich auf das Schlafzimmer beschränken muss, danach ist dann Hanna an der Reihe, die ihre Aufgabe wie gewohnt souverän löst - wie ein Trüffelschweinderl gewissermaßen...

 

 

Das war jetzt grad mal nix ..

 

Aber hier wird's allmählich heiß!

 

 

Den Bauch halbvoll mit Schoko-Eiern geht's dann auf zum zweiten Salinenbesuch. Wir können den Weg zu Fuß machen, denn die kleine Attraktion beginnt direkt an der Küste unterhalb unseres Hauses.

 

Und so sieht es dort aus...

 

 

Noch bleibt uns reichlich Zeit und so setzen wir die leichte Wanderung mit einer halben, na eher einer viertel Umrundung des Blinkfeuerberges fort, der gewissermaßen zu unserem lokalen Wahrzeichen geworden ist. Leider sind die Wege hier nicht gekennzeichnet, so dass man sich bei einer vollständigen Tour recht schnell verlaufen könnte. Wir entziehen uns jedoch diesem Risiko und erklimmen nach einem kurzen Abstecher an einen nahegelegenen Minifjord wieder die Anhöhe zu unserem Gehäuse.

 

 

Eine weniger besuchte Miniatur-Förde ...

 

 

...unweit unseres Wohnsitzes

 

Noch haben wir unser Tagessoll (bei weitem) nicht erfüllt, weshalb wir nachmittags ein neues Unternehmen starten. Da wir den Südwesten der Insel noch nicht kennen, brechen wir zu dem als sehenswert beschriebenen Fischerort Xlendi auf. Gut zu wissen, dass man das initiale X hier mehr oder weniger wie ein 'Sch' spricht, so dass der Name schließlich doch nicht unaussprechlich bleibt.

Dort angekommen finden wir ein gleichfalls dem Fremdenverkehr weit geöffnetes Fleckchen vor, doch verhindern die schmale Bucht und der enge Hafen glücklicherweise eine allzu rücksichtslose Bebauung mit Hotels. Es reicht auch so schon ...

Neben der wirklich bemerkenswert schönen Lage direkt in Nähe der grandiosen Cliff-Küste von Sannat kommt dem Örtchen auch noch seine gepriesene Fischküche zugute. Die Spezialisierung auf das Angebot vielfältiger Seegetiere  ist angesichts der dichten Staffelung von einschlägigen Restaurants nicht zu übersehen.

 

 

Ansicht von Xlendi ...

 

...  von der vorgelagerten Klippe aus

 

Unsere erste Umgebungsvisite beginnen wir an der westlichen Fjordseite mit einem Aufstieg zu einer felsigen Anhöhe, von der aus es dann über eine extrem enge Treppe wieder hinunter geht zu einer tief in das Kalkgestein eingekerbten Höhle - ziemlich überraschend das Ganze. Eine freundliche Engländerin (?) bietet uns an, ein Paarfoto von uns zu machen. Na ja, warum eigentlich nicht?

 

 

 

Erste eins ....,

 

 

 

dann zwei....,  dann nix mehr!

 

Nach diesem unerwarteten spelunkologischen Ausflug wechseln wir die Buchtseit und schreiten nach Osten fürbass - noch nicht ahnend, was uns dort erwarten würde.

Vorerst passieren wir einen der zahlreichen alten Wachtürme, die dort zumeist um das 16. und 17. Jahrhundert hingesetzt wurden, um sich gegen den von See drohenden Angriff böser Buben wehren zu können. Mag sein, dass es geholfen hat.

 

Weil sich, wie wir hier erkennen können, im Hintergrund eine schroff-bizarre Steilküste andeutet, wandern wir weiter und kommen so sehr bald in den Genuss einer stark zerklüfteten, senkrecht abfallenden Klippenformation von beachtlichen Dimensionen. Für uns etwas unerwartet beginnen hier also schon die Sannatfelsen, die zu den größten Sehenswürdigkeiten der Inseln rechnen.

 

 

Gewiss ein Höhrpunkt

jeder Gozo-Reise: Die Sannat-Klippen

 

aus unterschiedliche Blickwinkeln

 

 

 

Da kann man doch Rügen glatt vergessen

 

 

So ungefähr einen Kilometer kraxeln wir immer am Klippernrand die Küste entlang, bis wir die Zeit zur Umkehr für gekommen halten. Wir sind uns schnell einig, dass sich ein zweiter Besuch dieses Fleckens unbedingt lohnt. Und so soll es auch sein - es bleibt uns ja noch ein wenig Zeit.

 

Zurück in Xlendi treffen wir auf ein schön gelegenes Kaffee, das jedoch keine Gäste sehen will. Dann eben woanders hin! Frisch koffeiniert machen wir uns daran, unter den am Hafen aufgereihten Restaurants das zu finden, was den besten Fisch anbietet - soweit man das überhaupt an den Auslagen in den Vitrinen beurteilen kann. Leider hat die Wirtschaft Ta' Karolina, die uns sehr empfohlen wurde, nunmehr geschlossen; Mahlzeiten werden hier nur bis zum späten Mittag serviert, d.h. bis 16 Uhr, aber dier Zeit ist nun vorbei. Was also anders machen, als hin und her zu gucken, um ein Zweitangebot ausfindig zu machen. Derart (halb-)informiert landen wir beim "Churchill", das tatsächlich nach dem echten & wahren Premier benannt wurde, weil es den aus irgendwelchen Gründen mal in dieses Nest verschlagen hat. Aufgrund der (mäßig) vorgerückten Stunde - es ist so gegen 19 Uhr - ist es bereits so kühl, dass wir uns einen Platz unter einem Heizpilz aussuchen - eine rettende Idee. Sodann geht es an die Fischauswahl. Sehr viel ist vom catch of the day nicht mehr vorhanden, nur noch vier Sorten, darunter aber eine wohlgeformte Meterware, ein räuberischer Barracuda (Seehecht), der uns nun tot offeriert wird. Den wollen wir haben, denn so etwas findet man ja nur alle Jahre einmal - wenn überhaupt - in unserer dem Fisch abholden Stadt.

Kurz gesagt: Das Essen wird ein Fest: Sehr gute, erdig schmeckende Kartoffeln, auf den Punkt zubereitetes Gemüse, dazu noch eine kleine Vorspeise, die "aufs Haus" geht.

Sogar einen sehr anständigen Wein bietet das Churchill an, einen gut ausbalancierten, fruchtigen Gavi, sehr geeignet als Fischbegleiter, es kann doch alles so einfach sein!

 

Satt und zufrieden treten wir nach diesem Mahl den Rückweg an.

 

 

 

Dienstag,  17. April

 

 

Mal ein Wort zum Wetter:  Auch wenn die durchschnittliche Sonnenscheindauer für April ganz akzeptabel ist - so richtig kuschelig war es in den vergangenen Tage dennoch nicht, immer nur so zwischen 18° und 21°, was nicht unseren Erwartungen und der Klinmatabelle entspricht.

Heute ist leider wieder ein etwas unterkühlter Tag mit bewölktem Himmel, so dass wir das Badezeug von vornherein zu Hause lassen. Das hätten wir andern- falls gut gebrauchen können, denn auf dem heutigen Tourenplan stehen die bekanntesten Strände Gozos.

Um den ersten davon zu erreichen, touren wir über Victoria (muss ja sein) und Xaghra an die Nordostküste, wo die im Sommer sehr beliebt Ramla Bay liegt.

Heute ist da allerdings so gut wie nichts los, selbst die Schotten und Engländer haben keine Lust auf Gänsehaut. Immerhin gehen wir den Strand einmal auf und ab und stellen uns wohlwollen vor, wie es hier bei Sonne und Wärme zugehen könnte.

Und das bietet sich unseren Augen dar:

 

 

Die Ramla-Bay, Gozos größter Badestrand ....

 

 

 ... ist zur Zeit nur begrenzt verwendungsfähig

 

 

Vielleicht ist es ja in der auf dem zweiten Rang der Freizeitplätze angesiedelten Strand der San Blas Bay schöner? Wir fahren über Nadur, einen größeren, aber letztlich nichtssagenden Inselort zu dieser Alternativbucht, können aber auch dort im Moment nichts Reizvolles entdecken und beschließen daher, die "gewonnene" Zeit für einen Besuch Xewkijas zu nutzen, für einen im Südosten gelegenen Ort, der fast auschließlich wegen seiner überdimensionierten Kirche bekannt ist. Deren Geschichte ist einigermaßen amüsant, denn die Bewohner oder lokalen Kirchfürsten fanden 1958, dass ihre Stadtkirche zu bescheiden sei. Folglich fasste man große Pläne, trug die alte Kirche ab und setzte in einer Bauzeit von 20 Jahren eine neue Kathedrale der Superlative an die Stelle des alten Gotteshauses. Xewkijas Stadtkasse hat die Plünderung dann doch wohl irgendwie überstanden, aber um die gewaltigen Kosten wieder "einzuspielen", erhebt man heute auf listige Weise eine versteckte Eintrittsgebühr. Diese wird also nicht unter ihrem ehrlichen Namen erhoben, sondern als "freiwillige" Spende für die Aufzugs- benutzung getarnt.Den könnte man natürlich einfach weglassen, aber um das zu verhindern, fängt den Besucher gleich hinter der Kirchenpforte eine "nette ältere Dame" ab und bietet eine kurze Erklärung zur Baugeschichte an. Von dieser 30-Sekunden-Erläuterung leitet sie dann ganz geschickt auf die Unerlässlichkeit eines Besuchs der Aussichtsplattform über und bittet in diesem Kontext ganz bescheiden um eine "donation" von 3€ p.P. So muss man's machen!

Es ist dann aber oben auf der Plattform neben der gealtigen Kuppel mit 28m  Durchmesser und 45.000 t Gewicht recht hübsch, denn  man hat einen tollen Ausblick über fast ganz Gozo - ähnlich wie auf der Zitadelle von Victoria, nur eben anders.

 

 

 

Von der Kathedrale Xewijkas aus lässt sich gut über Gozo schauen

 

 

Während ich noch den besten Ausweg aus der Stadt suche, hat Hanna im Reise- führer einen Hinweis auf eine Kooperative innerhalb der Stadt entdeckt, die vorwiegend frische lokale Landwirtschaftsprodukte anbieten soll. Na, da müssen wir dann natürlich hin - ungeachtet der vielen Wendemanöver, deren es bedarf, um einen der Läden zu erreichen. Dort angekommen müssen wir allerdings feststellen, dass wir geradewegs das Delikatessen-Departement, also einen luxury store aufgetan haben. Da werden dann wirklich appetitliche Sachen angeboten, von denen jedoch die meisten aus Italien und Frankreich kommen. So war das nicht gemeint! Aber nebenbei: In der Weinabteilung werden feinste Gewächse angeboten - bis zu 400 €. Es muss also auch hier Reiche geben, wahrscheinlich Russen oder (andere) Steuerflüchtlinge.

 

Nach einem reichlich späten Lunch in Xlendi (dieses Mal nun doch im Fischrestaurant Ta Karolina) steht dann die Bucht von Dwejra auf unserem Programm. In deren Nähe befindet sich die wohl berühmteste Naturformation Gozos, das zum Inselwahrzeichen gewordene Azure Window, ein ins Meer ragender Kalksteinvorsprung, der im Laufe der Zeiten vom Wasser ausgespült und schließlich durchbrochen wurde, so dass sich endlich ein Brücke und ein darunter liegendes Tor ähnliches Fenster ausbildete. So weit, so gut. Dumm nur, dass ziemlich genau 6 Wochen vor unserem Einterffen vor Ort die Brücke unter den Erosionskräften und den bedenkenlosen Beuchern zusammengebrochen ist - was für ein Pech! Wenigstens ist niemand dabei verletzt worden, was bei dem Zusammenbruch des schweren Brückenstegs ohne Weiterers hätte passieren können.

 

Ganz so zügig wie gedacht erreichen wir das Ziel jedoch nicht. Das mangelnde Wegweisersystem der Insel, aber auch das nicht ganz zuverlässige Navipro- gramm machen uns jedoch zunächst einen Strich durch die Rechnung. Wir kurven um Gharb und San Lawrenz herum, finden dort aber partout keine Hinweisschilder, von einem zielführenden Eintrag auf der Navikarte ganz zu schweigen. Mehr durch Zufall gelangen wir schließlich auf eine Straße, die vielversprechend in Richtung Küste und Naturwunder führt. Der Weg wird immer enger und wir drücken uns die Daumen, dass uns kein Fahrzeug entgegenkommt, denn mit unserer doofen Kia-Kiste kann man wegen mangelnder Sicht nach hinten kaum rückwärts fahren. Endlich aber erreichen wir einen Parkplatz mit zahlreichen anderen Touristen, doch stellt sich bald heraus, dass es hier zwar auch sehr malerische Küstenabschnitte gibt, wir aber das berühmte "Blaue Fenster" verfehlt haben.

 

Sei's drum, wir nutzen die Gelegenheit und sehen uns um, wobei wir auf einen trutzigen Canyon und einen vorgelagerten zweiten Naturbogen mit Loch in der Mitte treffen, der heute bei heftigen Böen von starken Wellen gepeitscht wird. Ein schönes und etwas dramatisches Bild, das noch dadurch verstärkt wird, dass gerade hier und jetzt einige mutige "Alpinisten" ihre Kletter- und Abseinübungen an der rauhen Canyonwand veranstalten. Da hat sich der Irrweg also doch noch gelohnt.

 

 

Die "Costa Brava im Nordwesten Gozos  ....

 

 ...zeigt im Sturm ihre rauhe Seite

 

 

 

 

 

Dieses war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich.

Will sagen, dass das System die Eröffnung einer neuen Seite erzwingt.Diese findet sich hier:  

 

>  Malta Reisebericht  3. Teil

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© André Lundt