Reisbericht Malta,  3. Teil

 

 

Von dem unerwartet entdeckten Canyon aus müssen wir zwangsläufig Nach San Lawrenz zurück, wo wir mit enigem Glück dann doch noch die Fährte nach Dwejra ausmachen können. Nur wenig später treffen wir dort ein und finden uns in Gesellschaft von gut und gern 200 Touristen, die sich das Schauspiel der eingestürzten Brücke auch nicht entgehen lassen wollen. Das nunmehr zwei- geteilte Wahrzeichen ist auch nach dem bedauerlichen Einsturz ganz nett anzusehen, aber eine kleine Bucht  in unmittelbarer Nähe, mit extrem schartig ausgefransten Klippen und mehreren abgesprengten Felsbrocken vor der Brandungslinie läuft unserer Meinung nach dem gestutzten Azure Window den Rang ab. Die schroffe Klippenformation kommt heute sicherlich noch besser zur Geltung, weil eine sehr steife Brise weht, wodurch die aufgewühlte und kabbelige See mit Macht gegen die Felswände schlägt - ein tolles Schauspiel!

 

 

 

Die Bucht von Dwejra - einmal von Westen ...

 

 

....  und dann von Osten

 

 

Die schwere Brandung setze der  Küste kräftig zu

 

 

 

Heute ist Baden nicht angesagt

 

 

Im Hintergrund die eigentliche Dwejra- Bucht

mit der neu enstandenen Abbruchkante ganz links

Das sind die Reste nach dem Einsturz: ein begradigtes Kliff und ein Solitär

 

Damit muss es für heute genug sein, denn die besuchten points of interest waren doch recht zahlreich: (leere) Strände, eine dicke Kirche, malerische Ortschaften und eine faszinierende Küstenlandschaft. Das Heim ruft.

 

 

 

 

Mittwoch,  19. April

 

Heute steht als Residue noch der zweite Sannat-Klippenrundgang auf unserem Pflichtenzettel, doch zuvor wollen wir noch einen kurzen Abstecher nach Mgarr (ausgesprochen Im-Djarr) unternehmen, um dort die Abfahrtzeiten der Fähre nach Malta und der Ausflugsboote nach Comino - für den morgigen Tag - zu eruieren.

Das ist relativ schnell erledigt: Das Comino-Bötchen startet ab 10 Uhr alle Stunde zur Nachbarinsel, die Fähre "operiert" ebenfalls regelmäßig.

Und da wir nun schon in Mgarr sind, machen wir uns von hier aus auf dem kürzestern Weg nach I-Xini, einer sehr kleinen Bucht im Südosten, mit einem malerischen Strandrestaurant, das vorzügliche Fisch anbieten soll - allerdings nur mittags ...

 

 

 

Der Geheimtipp Mgarr-I-Xini ...

 

 

...  nahezu unauffindbar durch unter- lassenen oder falsche Wegweisung

 

 

Der Weg bis zu unserem ersten Ziel wird sehr viel umständlicher als gedacht, denn wieder mal fehlen die erforderliche Wegweiser, so dass wir viele Minuten lang in dem Gassengewirr der Nachbarorte von Mgarr herumirren. Der Navi ist auch bloß doof und führt uns lediglich in die Irre. Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass wir eine Privatstraße entdecken, die uns zumindest ganz nah an die gewünschte Bucht heranführt. Von einem Behelfsparkplatz machen wir uns auf den Weg in Richtung Xlendi bis zu dem Punkte, den wir 3 Tage zuvor schon von der anderen Seite erreicht hatten. Bald jedoch stoßen wir auf einen neuen Fjord, der tief ins Inselinneren einschneidet und unseren Küstenweg grob unterbricht. Da kehren wir doch lieber um und suchen den nächsten Zugangs- punkt zur Küste etwa 2-3 km weiter westlich. Geplant, getan, doch auch auf dieser Route verirren wir uns wieder; es ist wie verhext.

Allein unserem Entschluss, alle Wegzeichen und Naviweisungen zu missachten (antiautoritär ist gut!), führt dann noch zum Erfolg. Irgendwann und irgendwie stehen wir auf dem Parkplatz für Sannatklippen-Besucher. Toll auch, denn da passen gerade mal 4 Fahrzeuge hin, so dass wir den Wagen schließlich irgendwo weiter landeinwärts in einer inoffiziellen Parkbucht stehen lassen.

Der anschließende Wanderweg Richtung Osten führt uns leider nicht sehr weit, denn er wird brutal durch eine Baustelle unterbrochen. Also gehts schon nach einer guten Stunde zurück zum Auto und von dort direkt nach Xlendi, denn am vertrauten Ort wissen wir wenigstens, wie wir unterkommen und dass es einen zuverlässigen Weg gibt.

 

Dass wir jetzt wieder auf schon erprobten Pfaden wandern, stört uns nicht: Das Wetter ist grandios, der Weg frei und die Aussicht wieder phantastisch. Zum zweiten Mal wandern wir bis zum dem hoch aufragenden "Schiffsbugfelsen" und können heute - aus Küstenerfahrung klug geworden - erkennen, dass wir nur wenige hundert Meter entfernt von unserem letzten Notparkplatz gelandet sind. Wie tröstlich, denn so haben wir die Gewissheit, schließlich doch die gesamte Sannatlienie abgearbeitet zu haben.

 

 

Steiküste zwischen I-Xini ....

 

 

....  und Xlendi

 

 

 

Der interessante Schhiffsbugfelsen ...

 

 

....  mit dem carakteristischen "Sprungbrett" on top

 

 

Von diesem Highlight zurück in Xlendi gönnen wir uns eine kleine Pause und warten die Zeit bis zum satten Sonnenuntergang ab. Die letzten Minuten müssen wir uns dann leider ins Wageninnere zurückziehen, denn mittlerweile ist es wieder empfindlich kühl geworden.

 

Und das wird uns geboten:

 

 

So lässt sich ein Tagesende genießen!

 

 

 

 

 

Donnerstag,  19.  April

 

 

Die Vorbereitungen für die heutige Bootsfahrt haben wir ja schon getroffen. So machen wir uns daher zunächst über die Koffer her und bereiten frühzeitig den größten Teil der mitzunehmenden Sachen für die morgige Abreise von.

 

Derart gerüstet geht's zum Hafen - mit Handtuch, Badeanzug und hohen Erwartungen an eine Loiter-Phase in der Blauen Lagune von Comino.

Das Boot legt rechtzeitig ab, und in ca. 15 Minuten machen wir im Hafen der Nachbarinsel fest. Schnell müssen wir erkennen, dass die unmittelbar am Hafen gelegene Badelagune proppenvoll und damit nicht mehr zu gebrauchen ist.

 

Über die "Förde" von Comino ...

 

 ... erreicht man den kleinen Fährhafen

 

 

Oh wie schön ist Comino - am Strand!

 

 

Da mag man sich nicht unbedingt zugesellen

Statt einer frühen Strandfaulenzerei ist also erstmal eine Wanderung angesagt. Diese führt uns zum großen Wachturm im Osten der Insel, den wir gebührend - gegen eine 'donation' von 1 € besteigen, um danach den Weg an die Westküste einzuschlagen. Dort finden wir den zweiten Sandstrand des Minieilandes, der sogar ganz brauchbar ist - sieht man vielleicht von den vielen angeschwemmten Algen ab. Mit Glück findet Hanna noch ein kleines Schattenfleckchen und stürzt sich dann nach schnellem Kleidungswechsel in die türkisfarbene Flut - und das bei ca. 19° Wassertemperartur. Tatsächlich sollen sich in den Buchten Gozos etliche Quallen bewegen - eine Gefahr, auf die schon unser Möchtegern-Kapitän vom Fährboot hingewiesen hat. Auch Hanna glaubt, welche ausgemacht zu haben, wurde jedoch nicht von den Seeungeheuern angefallen.

 

Nach dem Ausflug ins kühle Nass legt sich die Badenixe noch kurz  zum Trocknen auf das Handtuch, dann räumen wir den Platz für weitere Strand-interessenten. Den Weg zurück zum Hafen finden wir selbst auf der fremden Insel recht schnell und kurz darauf  geht's auch wieder auf das Boot. Das Fährunternehmen sichert sich geschickter Weise einen kleinen (?) Extraverdienst, indem es die Touristen vor der Rückfahrt zum Haupthafen noch ein wenig an der von Wind und Wellen durchlöcherten Küste herunmschippert. Immerhin erhaschen  wir auf diese Weise noch einige schöne Ausblicke auf die reiche Höhlenlandschaft und kommen zusätzlich in den Genuss einer lebhaften Schaukelfahrt.

 

 

Reizvolle Meeresausläufer  ...

 

 

... und Felsformationen im Westen von Comino

 

 

Salz, Wasser und Stürme haben der Küste von Comino sichtbar zugesetzt

 

 

Nach der Einfahrt in Mgarr bummeln wir noch kurze Zeit am Hafen entlang, schauen uns dort an, wie die einheimischen Hippophilen ihre Sportpferde im Hafenbecken baden und blank putzen - was man nicht alle Tage beobachten kann - und machen uns dann zum letzten Mal auf den Heimweg. Der eine oder andere Handschlag bleibt in der Fewo noch zu tun und schlussendlich bereiten wir uns noch ein zünftiges Abschiedsessen. So weit - so gut.

 

 

Freitag,  20. April

 

 

Um kurz nach 10 Uhr ist alles im Wagen verstaut, der Schlüssel ist hinterlegt, und so können wir unbelastet aufbrechen.  Bis zum Hafen kommen wir zügig durch, auch die Wartezeit bis zur Abfahrt der Fähre nach Cirkewwa hält sich in Grenzen.

 

 

Abschied von Gozo: Der Wagen verschwindet im Bauch der Fähre

 

 

 

Dort angekommen haben wir eigentlich noch zu viel Zeit, um direkt zum Flughafen zu fahren. Deshalb machen wir noch einen kleinen Abstecher zur Gnejna-Bay südlich der von uns bereits vorher  heimgesuchten Badebuchten. Das Wetter heute am Abschiedstag ist aber passend mies geraten: Zunächste nieselt es, dann kommt ein richtiger Regen auf, nicht stark, aber absolut ungemütlich. So kann der Abschied leicher fallen.  In der Bay angekommen, treffen wir eine trostlose Stimmung an. Nur wenige Autos stehen auf dem bewachten (!) Parkplatz; etwas unsicher nähert sich uns ein unterbeschäftigter Parkwächter, wagt aber nicht, für unseren kurzen Stopp einen Obulus zu fordern. Gesehen, abgehakt! Nun hält uns nichts mehr, wir steuern kurz noch eine Mini-Tankstelle an, an der wir wenigstens genau die benötigte Menge Benzin kaufen können, die wir brauchen (ohne Festlegung auf eine bestimmte Summe, die dann dem Automaten eingefüttert wird), und touren dann in Richtung Airport. Weiß der Schinder, was heute besonders los ist, aber alle Straßen im weiten Umkreis um Valetta sind verstopft, so dass wir nur sehr zäh voran kommen. Immerhin haben wir eine gute Zeitreserve und kommen trotz alledem reichlich früh an der car rental station an. Den Wagen werden wir schneller los als gedacht; außer der Tankuhr wird nix überprüft, nicht mal eine Unterschrift erhalten wir zur Bestätigung pünktlicher Übergabe. Na dann eben nicht. Schlussendlich vergewissern wir uns noch einmal bei der Ausgabestation für Mietwagen, ob alles seine Richtigkeit hat, aber die Schalterdame zeigt sich nur verwundert darüber, dass wir so pingelig sind.

Wie heißt es so schön? Andere Länder, andere Sitten - und Verwaltungen.

Und zum guten Schluss im Duty Free-Shop das Übliche: Duftwasser für die Dame, Feuwerwasser für den Mann als Dank für kompromissloses Kutschieren.

 

Ciao Malta!

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© André Lundt